Erster Corona Schnelltest in den USA zugelassen | Wird so internationales Reisen wieder möglich?

Emirates Cabin-Crew mit Schutzausrüstung. Symbolfoto: Emirates

Wenn es um das Reisen geht, kommt sehr schnell das Thema Corona-Test auf. So hat man weltweit Sorge, dass durch große Mengen an Reisenden das Corona Virus unkontrolliert durch die Welt transportiert wird und so die Pandemie außer Kontrolle geraten könnte. Mit dieser Begründung haben Länder auf der ganzen Welt Einreiseverbote verhängt, welche die gesamte Reiseindustrie und insbesondere die Airlines aktuell lahm legen.

In den USA wurde letzte Woche ein erster Corona Schnelltest von der FDA zugelassen. Dabei hat man eine Notfallzulassung erteilt, also das Zulassungsverfahren abgekürzt, was sicher auch ein Grund ist, weshalb dieser Test des Pharmariesen Abbot teils sehr kritisch betrachtet wird. Es wird durchaus vermutet, dass die schnelle Zulassung auch politisch motiviert ist, denn die Trump Regierung benötigt aktuell dringend Erfolge und weltweit traut man diesem Mann nur noch soweit man ihn werfen kann.

Dennoch wurde der neue Corona Schnelltest von Abbot besonders in den USA als riesiger Durchbruch gefeiert und einige Beobachter erhoffen sich besonders für die Reise- und Airline Branche, dass mit diesem Test interkontinentale Flüge wieder im großen Stil möglich sein könnten.

So haben die großen Airlines auf beiden Seiten des Atlantiks die Politik aufgefordert, transatlantische Flüge für alle Reisenden wieder möglich zu machen und schlagen hierbei Tests für die Reisenden vor, um die Sicherheit zu erhöhen. Aktuell gibt es hier noch keine offiziellen Statements, wobei man besonders in den USA von dieser Idee nicht abgeneigt sein soll, immerhin ist der transatlantische Handelskanal auch für die USA extrem wichtig.

Gerade dieser neue Schnelltest von Abbot scheint hier das richtige Mittel zu sein, denn mit etwa 5 US$ und 15 Minuten vom Test bis zum Ergebnis wirkt der Test wie gemacht für diesen Einsatz. Aber wird dieser Test nun wirklich das Allheilmittel für Langstreckenflüge sein?

Der neue Abbott Corona Schnelltest

Der von Abbott Labatories entwickelte Corona Schnelltest soll binnen 15 Minuten einen Befund über eine mögliche Coronavirus Infekten liefern. So ist der Test mit 5 US$ als Preis extrem günstig, wobei man hierbei bedenken muss, dass es nur der Preis für den eigentlichen Test ist und es sich um den Einkaufspreis der US Regierung handelt, welche sich 150 Millionen Tests für 750 Millionen US$ gesichert hat.

Dabei muss der Test weiterhin wie ein klassischer PCR Test von einer medizinisch geschulten Person durchgeführt werden, denn man benötigt auch beim Schnelltest einen Abstrich aus Rachen und Nase. Die Auswertung erfolgt dann allerdings binnen 15 Minuten in einem Testkit, welches an einen Schwangerschaftstest erinnert und nicht mehr in einem Labor.

Hierbei sollen die Ergebnisse des Tests binnen 15 Minuten vorliegen, wobei dieser Test natürlich nicht zu 100% zuverlässig ist. Abbott gibt hier folgende Werte an:

  • Der Test hat eine Empfindlichkeit von 97.1%. Was bedeutet, dass potenziell auch positive Personen negativ getestet werden.
  • Die Quote der falsch positiven Ergebnisse liegt bei etwa 1,5% aller Tests

Damit steht der Test von Abbott nicht schlecht da, denn auch klassische und aufwändige PCR Tests können falsch positiv oder falsch negativ sein und die Statistiken befinden sich hier in vergleichbaren Werten, wobei wohl oft auch Fehler bei der Entnahme der Abstriche zu falschen Ergebnissen führen. In wie weit dies beim Schnelltest mit einkalkuliert wurde ist nicht klar.

Was würde dieser Test für die Luftfahrt bedeuten

Die Idee ist grundsätzlich recht einfach. Alle Passagiere machen vor einem Flug einen Corona Schnelltest. Wenn dieser negativ ist, dürfen sie fliegen. Potenziell kann man die Tests nach der Ankunft noch einmal wiederholen um die Sicherheit zu erhöhen.

Gerade aber der Anteil der der fehlerhaften Tests wirft hier einige Fragen auf, nämlich vor allem wie verlässlich dies den Behörden ist. Solche Tests würden zwar einen hohen, aber keinen 100% Schutz ermöglichen.

Des Weiteren stellt sich die Frage, wie man mit falschen Tests umgeht. Bei 1,5% an falsch positiven Tests wird man jeden Tag eine Reihe von falsch positiven Ergebnissen haben, aber wie geht man damit um? Stellt man die Passagiere unter Quarantäne für 14 Tage oder macht man einen zweiten, richtigen PCR Test? Vermutlich würden dies wohl nur wenige Passagiere akzeptieren, mit einer Chance von 1,5% von einem Flug ausgeschlossen zu werden mit weitreichenden Folgen.

Grundsätzlich könnte man natürlich so arbeiten, wie bei Sprengstofftests am Flughafen. Hier sind die Apparate so sensibel, dass man auch hier durchaus mal ein falsch positives Ergebnis hat. Ohne hier eine Statistik zu kennen, habe ich in den letzten Jahren selbst schon zwei falsch positive Ergebnisse hier gehabt. In allen Fällen war es hier üblich, dass man den Test noch einmal wiederholt hat und war das Ergebnis dann negativ (was es immer war ;)), durfte ich weiter gehen.

Würde man also nach einem positiven Schnelltest nur noch einen zweiten Schnelltest machen lassen und Passagiere nur bei zwei positiven Tests vom Flug ausschließen, würde man bei Reisenden das Glücksspiel vermeiden.

Allerdings haben die Schnelltests von Abbott ein weiteres Problem und das ist die Verfügbarkeit. Abbott will ab September damit beginnen diese Test zu liefern, allerdings hat man aktuell nur eine Produktionskapazität von 50 Millionen Tests pro Monat. Was sich nach viel anhört, ist wohl bei weitem nicht genug, um Langstrecken schnell wieder zu starten, denn diese Tests sind auch nicht nur für die Luftfahrt vorgesehen.

Denkbar ist allerdings, dass sie für ein Pilotprogramm auf einigen Transatlantikstrecken verwendet werden, um den wichtigen Kanal zwischen den USA und Europa wieder zu öffnen. Hierbei könnte aber besonders die Zustimmung der EU ein Problem werden, was aufgrund der hohen Coronazahlen in den USA durchaus nachvollziehbar ist.

Erster Corona Schnelltest in den USA zugelassen | Frankfurtflyer Kommentar

In den USA wurden die Corona Schnelltests von Abbott in der letzten Woche in vielen Medien gefeiert. In den USA ist man der Hoffnung, dass mit diesem Test viele der massiven Probleme gelöst werden können und so ganz von der Hand zu weisen ist dies auch nicht, denn ein günstiger, schneller, zuverlässiger und verfügbarer Corona Test könnte vieles möglich machen, auch abseits des Reisens. Man stelle sich vor, 300 Personen werden vor einem Clubbesuch einfach getestet und das Nachtleben wird hierdurch wieder möglich – durchaus eine traumhafte Vorstellung für viele.

Das Problem dieser Tests ist zum einen noch die Zuverlässigkeit, denn auch wenn die Werte in meinen Augen vertretbar sind, bedeutet jedes abgekürzte Zulassungsverfahren auch eine gewisse Unsicherheit. Zusätzlich ist vor allem die Verfügbarkeit ein Thema, sodass man wohl erst einmal mit Testläufen starten würde. Allerdings wäre eine US-EU Reiseblase mit Corona Schnelltests nicht nur für mich, sondern auch für viele Bereiche unserer Wirtschaft ein Game Changer. Schauen wir mal wie sich die Dinge hier entwickeln.

Danke an OMAAT

Das könnte Euch auch interessieren

6 Kommentare

  1. „Würde man also nach einem positiven Schnelltest nur noch einen zweiten Schnelltest machen lassen und Passagiere nur bei zwei positiven Tests vom Flug ausschließen, würde man bei Reisenden das Glücksspiel vermeiden.“

    jein

    bei einer Rate von 1.5% falsch-positiven Ergebnissen würde die Wahrscheinlichkeit für zwei falsch-positive Ergebnisse in Folge bei immerhin noch 0,2 Promille liegen. Das klingt nach wenig, aber bezogen auf die „normalen“ Passagierzahlen von Flughäfen wäre das noch immer extrem viel!
    Nehmen wir das Beispiel Frankfurt: im Jahr 2019 gab es dort rund 70 Mio Passagiere.
    Würden alle getestet, dann hätten wir rund 1 Mio falsch-positive Ergebnisse beim Ersttest. Und entsprechend noch immer rund 15.000 falsch-positive Ergebnisse bei zwei Tests! Das wären gut 40 Passagiere jeden Tag, die abgewiesen würden, obwohl nicht erkrankt!

    Besonders interessant wird diese Zahl angesichts folgender Rechnung: derzeit haben wir in Deutschland knapp 17.000 aktive Coronafälle bei einer Bevölkerung von 83 Mio. Wenn die Rate der Infizierten unter den Fluggästen identisch ist mit der Rate über die Gesamtbevölkerung, dann würden unter 70 Mio Fluggästen also ungefähr 14.300 Infizierte sein.
    Bei 97,1% Empfindlichkeit würden dabei erstmal rund 400 Infizierte aufgrund falsch-negativen Tests nicht erkannt werden. Wenn man zudem noch die Regel mit zwei Tests wie vorgeschlagen einführt, würden zudem weitere rund 400 Infizierte nach einem richtig-positiven Test anschliessend in einem falsch-negativen Test freigegeben, obwohl infiziert

    Zusammengefasst:
    bei 70 Mio Passagieren würden angesichts der genannten Werte für falsch-positive und falsch-negative Ergebnisse:
    13.500 Infizierte durch zwei richtig-positive Ergebnisse erkannt (70 Mio *(17.000/83 Mio) * 0.971^2)
    400 Infizierte durch ein falsch-negatives Ergebnis nicht erkannt (70 Mio *(17.000/83 Mio) * (1-0.971))
    400 Infizierte durch ein falsch-negatives Kontrollergebnis nach einem richtig-positiven Ergebnis nicht erkannt (70 Mio *(17.000/83 Mio) * 0.971 * (1-0.971) )
    ABER 15.000 Gesunde durch zwei falsch-positive Ergebnisse fälschlich als Infizierte bestimmt…! ( 70 Mio *0.015^2)

    Ich denke, diese Zahlen machen deutlich, dass sowas für die Wiederaufnahme eines ganz regulären Flugbetriebes nicht geeignet ist.

    • Hallo Markus,

      Danke für die Rechnungen, welche wohl auch absolut korrekt sind.

      Allerdings kann man wohl nicht davon ausgehen, dass man mit diesen Test auch nur ansatzweise in die Richtung von 2019 im Reiseaufkommen gelangen kann. Für einen Pilot könnte man es aber Andenken und als Test verwenden. Am ende des Tages braucht es aber mehr und wohl auch noch verbesserte Tests.

      Das 0,2 Promille falsch Positive Tests zu viel sind sehe ich aber nicht. Das sind dann so wenig Personen, dass man hier wohl auch Schadensersatzansprüche zahlen könnet, wenn man hierfür die Luftfahrt wieder starten könnte. Einfach stillstehen kann eigentlich keine dauerhafte Option sein, dass kann sich weder Europa noch die USA leisten.

      Vor flasch negativen Tests habe ich sogar recht wenig sorge, denn wie neue Studien aus Deutschland nahe legen, zeigen infektiöse Personen auch fast immer Symptome. Hier könnte man einen zusätzlichen Filter einbauen.

      Ein Experte bin ich aber natürlich auch nicht, ich finde das Thema nur interessant und will es beobachten und freue mich auch über Beiträge wie deinen!

      Lg
      Christoph

      • „Das 0,2 Promille falsch Positive Tests zu viel sind sehe ich aber nicht. “

        nun, es bedeutet im Endeffekt angesichts der derzeit sehr geringen Verbreitung von Corona in Deutschland, dass mehr Gesunde fälschlich abgewiesen werden als Kranke entdeckt werden! (in obiger Rechnung mit den genannten Daten würden rund 13500 Infizierte erkannt und weitere 15000 nicht-infizierte fälschlich als krank identifiziert!
        Also mehr als die Hälfte derer, die abgewiesen würden, wären gar nicht infiziert! Da sehe ich durchaus ein gewaltiges Problem.

        „Vor falsch negativen Tests habe ich sogar recht wenig sorge, denn wie neue Studien aus Deutschland nahe legen, zeigen infektiöse Personen auch fast immer Symptome. Hier könnte man einen zusätzlichen Filter einbauen.“

        richtig! Infizierte ohne Symptome stellen kein großes Ansteckungsrisiko dar, in Flugzeugen ist aufgrund der Führung des Luftstroms und aufgrund der Filteranlagen der Klimaanlagen das Risiko sowieso sehr gering. Daher hätte ich da auch wenig Angst.

        Etwas abseits, was ich mal gerne wüsste: wäre es nicht möglich, die Abstände zwischen den Fluggästen zu vergrößern, ohne ungenutzte Mittelsitze mitzuschleppen, indem man Fracht auch im Passagierbereich befördert? Bei einer 2+4+2 Bestuhlung in einem Langstreckenflieger könnte man doch zB. die Fensterplätze und die beiden Mittelplätze für Fracht nutzen und nur die Gangplätze mit Passagieren besetzen?

        • Grundsätzlich sehe ich das so: Wenn 15.000 Passagiere fehlerhaft von einem Flug ausgeschlossen werden, aber 70 Millionen dafür wieder reisen dürfen (was sie ja aktuell quasi nicht dürfen) geht das in die richtige Richtung. Natürlich muss man sich sehr genau überlegen, wie man mit den Flash Positiven umgeht. Hier sollte die Diagnostik aber dazu in der Lage sein, ein vertretbares Ergebnis zu produzieren. Ich kenne mich dazu aber zu wenig aus.

          Cargo zusammen mit Passagieren in der Kabine Transporteiern: Hierfür gibt es Konzepte, aber gerade zur Steigerung des Abstandes ist es eigentlich unbrauchbar. Man müsste die Cargo sehr kleinteilig verpacken und sie auch händisch in die Kabine tragen. Ich kann mir kaum vorstellen dass sich das Rechnet und dies ist auch einer der Gründe, warum das nie gemacht wurde.

          Einen Teil der Passagierkabine dafür komplett für Fracht zu nutzen ist durchaus denkbar und wurde auch schon gemacht.

  2. 3% nicht erkannte Fälle sind bei einer natürlichen Reproduktionsrate von etwa 3 völlig in Ordnung. Wir reden ja ohnehin von Wahrscheinlichkeiten.
    Die Gegenrichtung ist blöd. Einmal abwarten, was da noch folgt, das Interesse an Normalisierung ist als Leidensdruck an sich groß genug.

  3. Nochmal ein kleiner Input von eine fachkundigen Person die zufällig in genau dem Bereich arbeitet.
    Eine wichtige Info fehlt uns hier. Üblicherweise wird bei Schnelltesten für die Darstellung von Sensitivität und Spezifität eine Range in Bezug auf die Klinik (hier ist nicht der Ort sondern die Sympstomatik gemeint) des Patienten angegeben.

    An Hand von vergleichbaren Antikörperschnelltests die ja eine Zeit lang in aller Munde waren wird es glaub ich deutlich.

    Dort wurde auch mit Sensitivität von über 90% geworben. Mit der Einschränkung jedoch, dass es sich um getestete Personen handelt die 14 Tage nach Symptombeginn getestet wurden.

    Bei Personen die 10 Tage nach Symptombeginn getestet wurden war die Sensitivität auf einmal nur noch bei knapp 70 %. Dann ist schon fast 1 von 3 falsch negativ.

    Nun ist das bei Antikörpertesten nicht so schlimm, hier bei dem vorgestellten Antigentest sieht die Sache ganz anders aus. Der Vergleich der Werte zur PCR hinkt also, denn bei der PCR ist die Sensitivität bezogen auf alle klinisch relevanten Personen, auch da sind wir mit der 1. entwickelten PCR zu Beginn der Pandemie bei ca. 80-90 % gestartet, jetzt bei den aktuellen liegen wir bei eher 98-99 % Sensitivität, über alle Infektionsstadien hinweg gesehen.

    Das Problem mit den Antigenschnelltesten ist, das üblicherweise die RNA des Virus zuerst im Körper nachgewiesen kann, das Antigen (also Virusprotein-basiert) erst später im Verlauf wenn die Person schon mehrere Tage ansteckend ist.
    Heißt wiederum, ein negatives Ergebnis heißt nicht unbedingt das jemand nicht ansteckend ist. Ich hoffe das ist halbwegs verständlich ausgedrückt.

    Die PCR hat das gegenteilige „Problem“ sowohl am Anfang der Infektion als auch am Ende. Sprich ich kann Virus und damit die baldige Infektion nachweisen OBWOHL derjenige noch garnicht ansteckend ist (dies ist ja noch fast ein Vorteil, gerade bei Massentesten in Betrieben).
    Auf der anderen Seite kann ich aber auch noch lange Zeit Virus nachweisen mit den empfindlichsten Methoden, obwohl der Patient schon überhaupt nicht mehr ansteckend ist. Also wird die Person isoliert weiterhin bis sie negativ getestet wird. Was im schlimmsten Fall auch mal 3-4 Wochen dauern kann nach Symptombeginn.

    Kurzum am Ende, die Sensitivität von über 90 % bei dem Schnelltest im Vergleich zur PCR sagt nichts aus, da wir die Parameter der Umstände und der getesteten Kohorte nicht kennen.

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*