EU will Slot-Regeln temporär aussetzen

Foto: Lufthansa

Slots an Flughäfen sind für Airlines heiße Ware. Gerade an großen internationalen Drehkreuzen, die am Rande der Kapazitätsgrenze operieren, sind Start- und Landerechte für Airlines essentiell. Je mehr Slots eine Airline für sich sichern kann, desto mehr Verbindungen kann sie von und zu diesem Flughafen anbieten.

EU will Slot-Regeln temporär aussetzen | Aktuelle Regelung

In der EU gilt die Regel, dass ein Slot von einer Airline auch genutzt werden muss. Damit stellt der Airport sicher, dass seine Kapazitäten auch genutzt werden und er auf entsprechende Einnahmen zählen kann. Bunkern können Airlines ihre Slotplätze also nicht, z.B. um unliebsame Konkurrenz vom Flughafen fernzuhalten.

Jedoch muss eine Airline den zugeteilten Slot zu mindestens 80% auch tatsächlich nutzen, damit ihr dieser Slot in der nächsten Vergaberunde automatisch wieder zugeteilt wird (80/20-Regel).

LONDON, UK:
British Airways A350 at London Heathrow on 29 July 2019
(Picture by Nick Morrish/British Airways)

EU will Slot-Regeln temporär aussetzen | Aktuelle Situation

Da die Buchungszahlen stark gesunken, die Stornozahlen jedoch stark gestiegen sind, haben die Airlines gerade ein wirtschaftliches Problem. Sie müssen die Flüge weiterhin durchführen, obwohl auf den einzelnen Flügen keine oder nur wenige Passagiere zu befördern sind. Dies führt wohl mithin zu Geisterflügen.

Das ist sowohl ökonomisch als auch ökologisch nicht wünschenswert. Und Slots einfach aufzugeben ist auch keine Option, denn werden die freigewordenen Slots in einem Zuteilungsverfahren neu verteilt. Dabei können u.a. das Los, eine Bewerbung bei einer Vergabestelle oder Bietungsverfahren zum Einsatz kommen. In der EU kommt dann noch eine Regel zum Tragen, die Slots vermehrt Airlines zuteilt, die bislang an einem Flughafen nicht aktiv sind. Air New Zealand wird z.B. bald den eigenen Slot in London-Heathrow aufgeben und konnte den für ca. 25 Mio. Euro weiterverkaufen. Das ist kein Pappenstiel.

Anfang des Jahres hat man die 80/20-Regel für Start- und Landerechte für die Slots, die für Flüge nach China und Hong Kong genutzt wurden, bereits ausgesetzt.

Foto: Munich Airport

EU will Slot-Regeln temporär aussetzen | Ankündigung der EU

Heute hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigt, bald ein angepasstes Slot-Vergabegesetz auszuarbeiten, dass es den Airlines erlauben soll, in außergewöhnlichen Umständen wie diesem, die Slotnutzung flexibler zu handhaben.

In England hat der Transportminister die Betreiber von Heathrow ebenfalls in dem Zusammenhang aufgefordert, die 80/20-Regel zu lockern.

EU will Slot-Regeln temporär aussetzen | Frankfurtflyer Kommentar

Der Vorschlag der EU ist wirtschaftlich und ökologisch nachvollziehbar und sicherlich gerechtfertigt. Warum man jetzt ein neues Gesetz braucht, erschließt sich nicht unmittelbar, denn bei der Slotnutzung für Flüge nach China und Hong Kong konnte man auch flexibel sein, ohne das Gesetz erst zu ändern.

Für Fluggäste verheißt das allerdings nicht unbedingt Gutes, denn die Airlines werden viele Flüge in Europa dann zusammenlegen und Strecken in geringeren Frequenzen bedienen.

Da es sich hier sehr wahrscheinlich um einen Fall von höherer Gewalt handelt, wird man auch nicht auf Entschädigungen hoffen dürfen.

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