Eurowings gibt Langstrecken ab Düsseldorf auf

Die Eurowings Langstrecken waren ein großes Experiment, welches in seiner Strategie mehrfach geändert werden musste und offensichtlich sieht man nun keine ausreichenden Erfolgsaussichten mehr, denn Eurowings wird die Langstrecken ab Düsseldorf komplett aufgeben und möglicherweise sogar nur noch ab Frankfurt auf der Langstrecke fliegen. Dies ist auch Teil einer kompletten Neuausrichtung der gesamten Eurowings als Folge der Coronakrise.

Als Eurowings mit den Langstrecken erstmals gestartet ist, wollte man ein etwas besserer Billigflieger auf der Langstrecke sein, welcher sich besonders auf preissensible Touristen fokussiert hat. Nach der Insolvenz von Air Berlin, hat man auch klassische Business Strecken ab Düsseldorf angeboten und versucht sich ab Düsseldorf zu einer Lufthansa Light zu entwickeln, was auch zu dem Geschäftsmodell der Eurowings passte, denn man wollte Direktverbindungen ab den deutschen Flughäfen, abseits der Lufthansa Hubs Frankfurt und München bieten.

Nun kommt erneut eine Kehrtwende in der Eurowings Strategie, denn nachdem man schon angekündigt hat, dass es diesen Sommer keine Langstrecken mehr ab Düsseldorf geben wird, ist nun klar, dass man sich nun dauerhaft mit den Großraumflugzeugen aus Düsseldorf zurückzieht und vorrangig Langstreckenflüge ab Frankfurt anbieten wird. Auch die geplanten Langstreckenflüge von München nach Orlando, Las Vegas und Bangkok, werden aktuell in Frage gestellt.

Neue Ausrichtung als Deutschlands führender Ferienflieger

Besonders für den Neustart aus der Krise will sich Eurowings neu aufstellen und sich als Deutschlands führender Ferienflieger positionieren. Hierfür wird man besonders Sonnenziele in Europa anfliegen und zum Beispiel alleine Mallorca soll ab 16 Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz angeflogen werden.

Grund für diese überarbeitete Strategie ist die Annahme, dass sich besonders die touristischen Reisen schneller erholen werden als Geschäftsreisen.

Entsprechend wird sich Eurowings wohl auch auf den Langstrecken ab Frankfurt vorrangig auf touristische Ziele konzentrieren oder auf Langstrecken, welche auch einen hohen touristischen Anteil haben, wie Seattle, Orlando, Tampa, Las Vegas, Bangkok oder auch die Karibik.

Damit macht man mit Eurowings in der Lufthansa Gruppe der ehemaligen Tochter Condor direkte Konkurrenz. Nachdem man diese nicht übernehmen konnte, will man dem insolventen Konkurrent nun wohl auch beim Neustart ordentlich einheizen und Konkurrenz machen.

Aktuell fliegen zwei Airlines Langstrecken für Eurowings

Eine Eigenart der Eurowings Langstrecke ist, dass man eigentlich gar nicht selbst Langstecken fliegt, sondern hierfür zwei andere Airlines im Wet Leasing für die Airline fliegen. Die wirtschaftliche Verantwortung der Eurowings Langstrecken liegt auch nicht mehr bei Eurowings selbst, sondern wurde schon letztes Jahr an Lufthansa selbst übertragen, womit Eurowings auf der Langstrecke nur noch eine Marke ist und eigentlich keine eigenständige Airline.

Von den 11 Airbus A330 der Eurowings sind vier Maschinen ehemalige Lufthansa Airbus A330-300, welche von Brussels Airlines für Eurowings betrieben werden. Die sieben Airbus A330-200 werden von SunExpress Deutschland für Eurowings betrieben. Aktuell wird darüber spekuliert, dass man die Zusammenarbeit mit SunExpress Deutschland einstellen könnte und komplett auf ex Lufthansa Flugzeuge, welche durch Brussels Airlines betrieben werden, setzt.

Sobald Eurowings wieder mit Langstecken an den Start gehen wird, kann man hier an Bord die gleichen Sitze wie bei Lufthansa erwarten, denn inzwischen wurden alle Langstrecken Airbus von Eurowings auf eine Business Class, Premium Economy und Economy Class Kabine umgebaut.

Eurowings gibt Langstrecken ab Düsseldorf auf | Frankfurtflyer Kommentar

Es ist ein erneuter Strategiewechsel bei Eurowings, allerdings kein wirklich überraschender. So zeichnete sich schon vor der Coronakrise ab, dass Eurowings auch als Ferienflieger ab Frankfurt, in Ergänzung zu Lufthansa ausgebaut werden soll und dies wird nun für den Neustart der Airline vorangetrieben.

Etwas überrascht bin ich allerdings, dass man die Langstrecken ab Düsseldorf komplett aufgibt. Eigentlich galt Deutschlands drittgrößter Airport mit seinem großen Einzugsgebiet immer als tauglich für Langstrecken und auch Lufthansa hat vor einigen Jahren hier noch selbst mehrere Langstrecken, zum Beispiel nach New York, Chicago, Miami und Toronto angeboten.

Gerade jetzt in der Krise will man sich allerdings offensichtlich auf den Hub in Frankfurt konzentrieren, welcher für Langstrecken auch deutlich bessere Anschlüsse liefern wird. Für einen Großteil des Einzugsgebietes von Düsseldorf, wie z.B. Köln und Bonn ist es auch zeitlich fast egal, ob man nach Düsseldorf oder nach Frankfurt anreist, insbesondere wenn man die ICE Sprinter nutzen kann, welche Lufthansa auch als AirRail Anschlüsse anbietet.

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3 Kommentare

  1. Sehr zutreffendes Fazit.

    Mit LH/EW hat es in DUS nie langfristig gepasst. Die angesprochenen Strecken sind eingestellt worden. Zwischenzeitlich hat sich EW mal kurz für CGN entschieden. Insbesondere jetzt in Zeiten der Coronakrise macht es Sinn, sich auf einen Standort (FRA/evtl. noch MUC) zu konzentrieren, zumal es hier auch die meisten Zubringerflüge gibt.

    Dem DUS ist zu wünschen, dass DE/tuifly das eine oder andere Warmwasser-Fernziel anbietet, damit die Kunden von dort, wie jahrzehntelang mit Air Berlin und LTU gewohnt, direkt in den Urlaub starten können.

    • Die Strecke nach New York war aber auch profitabel, allerdings Eurowings Biz. echt schlechter. Hoffe, dass LH wenigstens die Strecke wieder aufnimmt.

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