Italien: Jetzt soll Lufthansa doch Alitalia übernehmen

Seit fast vier Jahren befindet sich die italienische Alitalia in der Insolvenz, nachdem der ehemalige Großaktionär Etihad Airways seine Unterstützung eingestellt hat und sich aus der verlustreichen Airline, wie auch aus Air Berlin, zurückgezogen hat. Seither fliegt Alitalia nur noch durch Überbrückungskredite des italienischen Staates und außer den immer wieder verstreichenden Fristen für eine Übernahme und Neustrukturierung von Alitalia gab es nicht wirklich viel zu berichten. 

Zuletzt sollte eine Konsortium aus Staatsbahn FS und des Benetton-Konzerns Atlantia, sowie dem SkyTeam Partner Delta Airlines die Airline übernehmen. Dies ist offensichtlich gescheitert und nachdem bereits Delta Airlines wieder offiziell aus dem Deal ausgestiegen ist, haben auch FS und Atlantia mitgeteilt, dass man in der von der Regierung in Rom forcierten italienischen Lösung kein „tragfähiges Investitionsmodell“ sehe. 

Alle Beteiligten sind sich einig, dass man Alitalia nicht retten kann, ohne Stellen abzubauen und die maroden Strukturen der Airline massiv zu überarbeiten. Zuletzt ging man sogar davon aus, dass Alitalia komplett verstaatlicht werden könnte, allerdings würde dies vermutlich auf massiven Widerstand bei den Wettbewerbshütern sorgen. 

Lufthansa ist der neue Wunschkandidat in Italien

Nachdem man in Italien inzwischen 1,3 Milliarden Euro an Steuergeldern als Kredit in die Airline gepumpt hat, den die Airline wohl niemals zurückzahlen wird, bröckelt in Rom inzwischen der Widerstand gegen die sehr harten Bedingungen von Lufthansa für eine Alitalia Übernahme. Laut italienischen Medienberichten habe man den Sonderverwalter von Alitalia, Guiseppe Leogrande, damit beauftragt, die Weichen für einen Einstieg von Lufthansa bei Alitalia zu stellen. 

Lufthansa hat bereits vor über einem Jahr großes Interesse an Alitalia und dem italienischen Markt geäußert und man wollte Rom sogar als neuen Hub in der Lufthansa Gruppe ausbauen. Hierfür hatte man allerdings harte Forderungen an den Staat gestellt und wollte Alitalia nicht ohne Maßnahmenkatalog übernehmen. 

Nachdem die Regierung in Rom wohl gegenüber Lufthansa signalisiert hat, dass man bereit sei den Forderungen der Deutschen entgegen zu kommen, soll Lufthansa am 19. November noch einmal ein Schreiben nach Rom geschickt haben, in welchem man klar dargelegt hat, welche Veränderungen man bei Alitalia unbedingt durchsetzen wolle.

Zu den Forderungen von Lufthansa gehört ein Abbau von etwa 30% der Arbeitsplätze und der Flotte, wobei Lufthansa in der Vergangenheit schon bereit war Zugeständnisse zu machen und man den Alitalia Angestellten eine andere Position in der Lufthansa Gruppe bieten würde.

Lufthansa sei im Gegenzug bereit, direkt 160 Millionen Euro in Alitalia zu investieren und bei einem dann fälligen Allianzwechesl der Italiener in die Star Alliance auch hier die Kosten von etwa 50 Millionen Euro zu tragen.

Lufthansa hat allerdings in der Vergangenheit auch klar gemacht, dass man Alitalia nur übernehmen würde, wenn man auch direkt die Mehrheiten an der Airline hätte. Auf Dauer will man sogar die vollen 100% der Airline haben. Nur so könnte man zuverlässig den Turnaround bei der maroden Airline schaffen.

Alitalia passt gut zur Lufthansa Gruppe

Wenn man davon absieht, dass Alitalia einen massiv aufgeblasenen Verwaltungsapparat und auch sonst sehr ineffiziente Strukturen aufweist, passt die Airline eigentlich gut in die Lufthansa Gruppe. Mit Rom als Hub würde man auch Südeuropa gut abdecken und der italienische Markt ist nach wie vor durchaus lukrativ und attraktiv für Lufthansa. Nicht ohne Grund hat man mit Air Dolomiti einen eigenen italienischen Zubringer für Flüge nach München.

Auch die Flotte von Alitalia würde in das Konzept der Lufthansa Gruppe passen, wenngleich man auch bei Alitalia früher oder später in neue Flugzeuge investieren müsste. Aber die Embrarer 175, der Airbus A320 und A330, sowie die Boeing 777 gibt es bereits in der Lufthansa Gruppe und sie könnten auf den angestrebten einheitlichen Standard der Lufthansa Gruppe gebracht werden.

Italien: Jetzt soll Lufthansa doch Alitalia übernehmen | Frankfurtflyer Kommentar

Es wäre ein großer Coup für Lufthansa, nachdem es nun so aussah, dass man Alitalia nicht bekommen würde. Vermutlich ist der Lufthansa Ansatz, mit einem Neustart von Alitalia auch der einzig richtige, denn mit den aktuellen Strukturen ist es wohl nicht möglich Alitalia zu einer profitablen Airline zu machen. Nicht ohne Grund sind hier alle Versuche gescheitert.

Ich bin sehr gespannt, ob Lufthansa nun wirklich den Zuschlag bekommt und dann auch wie sich Alitalia in der Lufthansa Gruppe entwickelt. Ich selbst fand Alitalia auf der Langstrecke eigentlich immer eine sehr charmante Airline.

Dass Lufthansa mit Problemfällen wie Alitalia umgehen kann, hat man schon gezeigt und durch die schiere Größe der Lufthansa Gruppe kann man natürlich auch massive Kosten bei Alitalia einsparen, was der Airline sicher helfen würde.

Danke: aero.de

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2 Kommentare

  1. Andersherum betrachtet, für Alititalie ist es die einzig sinnvolle Übernahme. Ein Amerikaner, ein Araber, ein Chinese zum Schluss noch, der in den europ. Markt möchte, wird die Marke mit ihrer Identität vernichten. Swiss und Austrian zeigen deutlich, dass das regional besondere der Marke erhalten bleibt. Sollte es klappen, könnte ich mich endlich mal mit Alitalia auf die Langstrecke trauen. Bisher hatte ich als Frühblüher immer Angst, dass der Carier gegründet wird, bevor ich den Flug antreten kann

  2. 30% Arbeitsplatz – Abbau in Italien?
    Das schreit ja direkt nach „sciòpero“. Aber mit Streiks kennt sich LH mittlerweile ja gut aus- – – sogar im eigenen Land !

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