Keine Lounge, ohne Gepäck, no Priority | Wieviel Business Class bleibt da noch?

Foto: Finnair

Schnell kommen die Erinnerungen an die Anpassungen bei Qatar Airways hoch, die keinen Loungezugang mehr in den günstigen Business Class-Tarifen mehr gestatten. Der oneworld-Partner Finnair führt jetzt ebenfalls eine ziemlich abgespeckte Version eines Spartarif in der Business Class ein.

Ab dem 15. Juni gekaufte Tickets fallen bei der finnischen Airline unter neue Bedingungen. Die größte Neuerung bringt der Business Light-Tarif mit sich, „um dem zunehmenden Trend zur Personalisierung des Reiseerlebnisses gerecht zu werden“.

Was bleibt noch von der Business Class?

Kunden können auf den meisten Strecken ab Mitte des Monats in beiden Serviceklassen zwischen drei Ticketarten wählen. Light, Classic und Flex unterscheiden sich unter anderem bei der Flexibilität, Meilengutschrift und Freigepäck.

Signifikante Neuerungen bringt der Light-Tarif in der Business Class und zielt auf preissensible Kundschaft mit dem Anspruch auf mehr Komfort an Bord. So zumindest die Aussage der finnischen Gesellschaft auf der eigenen Homepage. In der abgespeckten Leistung ist künftig lediglich Handgepäck inkludiert. Änderungen und Stornierungen des Tickets, Priority-Dienste am Schalter und der Sicherheitskontrolle sind ausgeschlossen. Auch der Lounge-Zugang sowie der bisher zum Business Class-Produkt gehörende Internetservice an Bord fallen flach und müssen extra gebucht werden.

Der komfortable Sitz dürfte für die meisten Kunden das wichtigste Kriterium der Business Class sein, ein aufgewerteter Service rundet das Erlebnis ab. Zahlreiche weitere Leistungen sind bei einem Premium-Produkt für Passagiere aber selbstverständlich, wenn diese sich für einen Flug in Business entscheiden.

Meist nutzen Geschäftsreisende ihre Freigepäckmengen nicht aus oder wählen den gewünschten Sitzplatz erst beim Check-In aus. Die Freiheit dies künftig doch zu tun, gibt es dann mit dem neuen Tarif nicht mehr und muss zusätzlich bezahlt werden.

Das wertvollste eines Tarifs dürfte die Flexibilität sein, die sich Airlines meist gut bezahlen lassen. Längst gibt es bei den meisten Gesellschaften voll flexible Tickets auch in der Economy Class, die sich beliebig oft ändern oder gebührenfrei stornieren lassen. Was früher in der Business Class selbstverständlich war, ist längst nicht mehr der Fall. Diesbezüglich kamen in den vergangenen Jahren einzelne Restriktionen wie Gebühren für die Umbuchung oder gar dessen gänzlicher Ausschluss. Auch Dinge wie Upgrades wurden für einige Buchungsklassen eingeschränkt oder abgeschafft.


Finnair geht nun einen Schritt weiter und streicht so gut wie alle Benefits, die neben dem Aufenthalt an Bord zum Erlebnis Business Class gehören. Sitzplatzreservierung gegen Cash, Check-In bei Economy ohne Freigepäck, keine bevorzugte Sicherheitskontrolle oder Boarding, keine Lounge. Es ist schon beinahe verwunderlich, daß die Meilengutschrift erhöht bleibt und mit 150% dem flexibelsten Economy Tarif gleicht.

Finnair wird nicht alle Langstrecken zum neuen Business Light Tarif verkaufen, einzelne Strecken wie Shanghai sind weiterhin nur als Classic oder Flex buchbar. Nach Los Angeles oder Bangkok gibt es den Tarif bereits. Groß ist die preisliche Differenz in diesem Beispiel hier wahrlich nicht, lediglich 125€ Aufpreis sind für eine Teilstrecke in Business Classic fällig. Der Unterschied bei den Benefits ist aber gewaltig.

Keine Lounge, ohne Gepäck, no Priority | Wieviel Business Class bleibt da noch? | Frankfurtflyer Kommentar

Die Zeiten in denen man mit einem Business Class Ticket „seine Ruhe“ hatte, sind mit solchen Neuerungen definitiv vorbei. Einen Business Light Tarif bieten mehrere Airlines an, einen Unterschied gab es meist nur bei der Flexibilität oder Meilengutschrift. Auch Lufthansa verkauft das eingeschränkte Produkt, macht aber bei Check-In und Priority, Freigepäck oder Loungezugang keine Unterschiede.

Sitz, Bordservice und Handgepäck bleiben identisch, den Rest gibt es nur noch gegen Aufpreis oder gar nicht mehr. Diese Entwicklung ist bedauerlich und macht das Fliegen komplizierter. Bleibt abzuwarten wie das neue Angebot bei den Passagieren ankommen wird, bei dem (noch) überschaubaren preislichen Unterschied würden sich wohl die meisten weiterhin für den wesentlich wertigeren Classic-Tarif entscheiden. Durch die Einführung des Light Tarifs und den Einschränkungen macht Finnair das herkömmliche Produkt noch interessanter.

Für oneworld-Statuskunden dürfte die künftige Regelung in Bezug auf deren Benefits interessant sein. Ob Finnair den Sapphire & Emerald-Passagieren im Light Tarif ebenfalls Freigepäck und die Lounge wegnimmt, wurde noch nicht ganz klar.

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9 Kommentare

  1. Das empfinde ich auch als schade und es macht das Vergleichen von Preisen in der C schwerer und schwerer.

    Für mich gehört alles dazu, Lounge, Prority Boarding / Gepäck usw. Nur die Flexibilität von den höheren Tarifen benötige ich nicht. Zumindest außerhalb der Pandemie.

    Gruß
    Alex

  2. Das ist weniger, als was man in der Pemium Eco bekommt. Ich finde das schon eine Frechheit, zumal es jetzt auch nicht so viel günstiger ist. Auch gibt es ja keine Infos, wie mit Statuskunden verfahren wird.

    Und es gibt jetzt doch USA? Hieß es nicht, dass TATL ausgenommen ist wegen des Joint Ventures?

    • Wir haben LAX probiert und es wurde angeboten. Joint Venture kann sich auch auf einzelne Strecken und nicht auf die ganze Airline beziehen.

      • Spannend. Ich hatte nur irgendwo gelesen, dass die US-Strecken in Gänze ausgenommen sind. Das BA/AA/IB/AY Joint Venture gilt eigentlich für ganz Nordamerika. Das ist interessant, wenn die da sowas machen.

        • Finde es in der Tat spannend…aber kann auch ein Alleinstellungsmerkmal von AY sein- nachdem sonst kein anderer direkt nach HEL fliegt

          • Wenn wir uns die Situation mit der Basic Economy als Vergleich anschauen, dann darf man davon ausgehen, dass auch BA, AA und IB solche Tarife bringen werden. 🙁

    • Würde gut zur Police der oneworld passen…
      Aber solche Änderungen bei Tarifen haben meist weitere Fussnoten bei den Allianzbestimmungen zur Folge

  3. Mal schauen, wann die Suchmaschinen so etwas wie eine „Sortierung nach Preis bei gleichen Randbedingungen“ anbieten. Als optionaler Schalter sollte das rechtsanwaltsresistent sein. Die preisliche Ausgestaltung der Tabelle mit den nicht eingeschlossenen Leistungen kann man ja dem Nutzer überlassen, um jegliche Vorwürfe der Bevorzugung einer bestimmten Gesellschaft von vornherein auszuschließen.
    Abgesehen von der zunehmend schlechten Vergleichbarkeit stören mich die hier diskutierten Light-Tarife nicht. Für die Fluggesellschaften sind sie so oder so defizitär, nur halt weniger defizitär als den Platz gar nicht zu vergeben.
    Sobald eine einfache Vergleichbarkeit gegeben ist, regelt der Markt den Rest.

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