Reiseverbot zu Ostern wird nicht umgesetzt – Testpflicht auch für Mallorca-Urlaub

Urlaub im Jahr 2021: Schwierig aber möglich.

Wer Lust auf Urlaub zu Ostern hat, muss derzeit sehr leidensfähig sein. Während vor einer Woche noch ein Osterurlaub auf Mallorca Lichtblick vieler deutscher Bundesbürger war, wollte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch (24.03.2021) noch Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um den Deutschen das Reisen zu verbieten. Doch auch dies ist nun wieder Schnee von gestern und das Reiseverbot zu Ostern ist vom Tisch.

Lange Zeit hielten sich viele Bundesbürger zurück und verschoben immer wieder ihren Urlaub nach Aufforderung der Bundesregierung und weil die Hürden zu hoch waren. Doch dann passierte das Unerwartete: Das Robert-Koch-Institut (RKI) strich Mallorca von der Risikoliste. Spanien hatte zumindest regional das Pandemie-Management so gut im Griff, dass zumindest Mallorca vor knapp zwei Wochen von der RKI-Liste der Risiko-Regionen verschwand. Das führte zu einem unglaublichen Buchungsboom zu Ostern. Allein die Fluggesellschaft Eurowings plante über 300 Flüge zusätzlich ein, welche kurzfristig nahezu ausgebucht waren.

Eurowings stockt Flugplan nach Mallorca auf. Foto: Eurowings

Doch die Freude der Deutschen, zu Ostern endlich mal wieder in den Urlaub zu fliegen, war nur von kurzer Dauer. Das Medien-Echo war immens. Die Tonalität nahezu identisch: „Warum ist Urlaub im eigenen Bundesland nicht möglich, auf Mallorca jedoch schon?“. Der Druck auf die Bundesregierung nahm dadurch deutlich zu und rief insbesondere Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Plan. Die Kanzlerin wollte am vergangenen Mittwoch noch „Himmel und Hölle in Bewegung setzen“, um ein befristetes Reiseverbot durchzusetzen.

Damit wäre Deutschland nicht allein in Europa gewesen. Denn ähnlich macht es derzeit bereits Großbritannien vor. Derzeit darf niemand das Land verlassen, der nicht einen triftigen Grund dafür hat. Wer dagegen verstößt und keinen entsprechenden Nachweis für den Grund seiner Reise liefern kann, wird mit einer Geldstrafe von 5.000 GBP (rund 5.800 Euro) bestraft.

Reiseverbot wird nicht umgesetzt | Generelle Testpflicht

Doch noch während die verfassungsrechtlichen Hürden eines Reiseverbots überprüft wurden, ist der Vorschlag wieder vom Tisch. Grund sind unter anderem erhebliche Bedenken der, an der Regierung beteiligten, SPD. Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD Carsten Schneider, äußerte sich wie folgt: „Ein generelles Verbot von Reisen in beliebte Urlaubsgebiete im Ausland wird es mit der SPD-Fraktion nicht geben“.

Stattdessen wird es, wie die BILD als erste berichtete, eine generelle Testpflicht für alle Flüge nach Deutschland gelten. Ab Freitag (26. März 2021) Montag (28. März 2021) muss dann jeder, der die Heimreise nach Deutschland antritt, vor dem Abflug bei seiner Fluggesellschaft einen Nachweis über einen negativen Corona-Test vorlegen. Selbst dann, wenn der Abflugort ein Nicht-Risiko-Gebiet, wie z.B. Mallorca ist.

Damit stellt sich also quasi wieder der gleiche Stand ein, wie er noch am Montag nach einer Ministerpräsidenten-Konferenz zur Verschärfung des Lockdowns geplant war (Artikel Testpflicht für alle).

Reiseverbot wird nicht umgesetzt | Mallorca

Wer seine Reise nach Mallorca bereits gebucht und nicht wieder storniert hat, muss sich übrigens am Zielort auch auf Einschränkungen einstellen. So gibt es zwar, wie auf vielen Kanaren-Inseln, keine Ausgangssperren, das öffentliche Leben ist aber trotzdem ein Stück weit eingeschränkt. So gilt eine Maskenpflicht in öffentlichen Räumen und im freien Raum, wenn der Sicherheitsabstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann. Bars, Restaurants und Cafés werden erst in den nächsten Wochen wieder schrittweise öffnen.

Reiseverbot wird nicht umgesetzt | Frankfurtflyer Kommentar

Nicht die einzelnen Maßnahmen, die beschlossen werden, sondern viel mehr das „Hin und Her“ sind der kluge Schachzug unserer Bundesregierung, um Reisen zu verhindern. Man weiß heute nicht, welche Regeln morgen noch gelten. Nur wenige Menschen gehen dieses Risiko ein. Für die Reiseindustrie ist das der Super-Gau. Durch die Unsicherheiten und Storno-Wellen wird eine sowieso schon gebeutelte Branche noch mal richtig mit den Füßen getreten.

Geschrieben wurde dieser Artikel übrigens aus dem Urlaub auf Fuerteventura. Wir hatten uns dafür entschieden, trotz Tests, Beschränkungen vor Ort und Quarantäne bei der Heimreise, diese Reise anzutreten. Und auch wenn die Inzidenz auf Fuerteventura derzeit ähnlich hoch wie in Deutschland ist, scheint das Leben hier geregelter, sicherer und planbarer zu funktionieren, als in der Heimat. Lediglich mit der kleinen Einschränkung, dass wir natürlich auch nicht wissen, was morgen in Deutschland passiert und ob unser Flug wie geplant stattfindet.

Im Grund lässt sich feststellen, dass Urlaub derzeit weniger auf Grund einer Krankheit, sondern mehr wegen der Planlosigkeit unserer Regierung unsicher ist.

Quellen: welt.de und aero.de

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7 Kommentare

  1. Bravo, endlich einer der zugibt, dass er im Urlaub ist!

    Du musst dich aber nicht entschuldigen, du bist auch nicht ganz alleine für verantwortlich….

  2. Wie soll nun jemand in Nord Amerika, welcher schon Samstag morgens (örtliche Zeit) einen Test bei Check-in und bei Landung in Deutschland vorweisen der in den 48 Stunden bleibt, wenn diese Information heute erst verkündet werden?
    Noch vor kurzem reichte ein Test bei Ankunft in Frankfurt.
    Jetzt muss die Person heute einen Test machen, damit das Ergebnis vor Abflug vorliegt, und morgen noch einen Test damit dieser bei Ankunft in den 48 Stunden bleibt.

    Was haben sich unsere Politiker nur dabei Gedacht?
    innerhalb von Europa mag dies ja alles möglich sein, aber was machen nun die ganzen Geschäftsreisenden, welche noch fliegen müssen?

    Da hätte man sich vorher mal gedanken machen sollen, ob es so schlau gewesen war Malle nicht mehr als Risikogebiet zu erklären.

    Dieses Hin und Her gerade ist doch zum Kot**n.

      • Ein bischen O.T.
        In Tübingen probiert man ja einen „Tagesausweis“ nach nagativem Schnelltest. Was genau der dann erlauben soll, weiß ich jetzt auch nicht. Es wäre freilich eine interessante Frage, ob sich für die Bürger daraus eine Motivation zu häufigen Tests ergeben könnte. Klar, die Trefferquote mag nicht so gut sein, aber schon einmal 50% der Infizierten zu erkennen, die bisher nicht oder nur leicht erkrankten, aber sehr wohl als Überträger fungierten, könnte vielleicht recht wirksam sein.
        Die Tests selbst kosten ja ’n Appl und ’n Ei, der Personalaufwand bleibt natürlich trotzdem.

  3. Tatsächlich ist nun der aktuelle Stand, dass ab Sonntag getestet werden soll. Dass die Kurzfristigkeit so nicht sinnvoll ist, hat man vermutlich auch in Berlin erkannt.

  4. Aktuell ab Dienstag, „um Reisenden und Airlines Vorbereitungszeit zu geben und damit Fluggesellschaften die Test Angebote noch organisieren könnten, in Ländern, in denen die Test Infrastruktur selbt noch nicht so aufgebaut ist“, obwohl die Airlines dargelegt hätten, „daß auch der vorherige weitgehend eingehalten hätte können“.

    An diesen Formulierungen erkennt man, wie weltfremd das alles ist.
    „Die Airlines“ (welche?) hätten das dargelegt? Ist es Aufgabe der Airlines, Infrastrukturen aufzubauen? Das hört sich doch an, als ob ET in Mogadishu das wg. Spahns Initiative anbieten würde?
    Es bauen Airlines sicher keine Test Infrastruktur aufgrund einer deutschen Verordnung im Nicht-EU Ausland auf, insbesondere wenn es sich nicht um deutsche Airlines handelt. An recht viel mehr als Mallorca haben die Verantwortlichen hier offenbar nicht gedacht, was allerdings erfahrungsgemäß nicht zu erwarten war.

    • Ich gehe davon aus, dass mit „Die Airlines“, die Vertreter der Branche, also tatsächlich von Airlines, welche nach Deutschland fliegen und auch der Verbände gemeint sind.

      Das Airlines nun die Testinfrastruktur aufbauen macht durchaus Sinn, den die Industrie kann dies viel besser, als Staaten. Man sollte auch nicht vergessen, dass es aber hier schon viel Angebot gibt, denn man benötigt inzwischen für viele Länder generell einen Corona test. Deutschland ist hier alles andere als ein Vorreiter.

      Dass dies alles aus einer Debatte um Mallorca entstanden ist, kann man aber sicherlich kritisieren, auch das es hier nicht darum geht, dass Reisen sicherer zu machen, sondern es zu erschweren. Das halte ich für einen fatalen Ansatz.

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