Review: American Airlines Business Class Boeing 787-8 Chicago nach London

American Airlines hat je nach Flugzeugtyp verschiedene Business Class Sitze. Während sich die Sitze in der Boeing 777 und der Boeing 787-9 recht ähnlich oder identisch sind, hat die Boeing 787-8 bei American Airlines wohl den außergewöhnlichsten Business Class Sitz. Hierbei kann man in dem Sitz sowohl in, als auch gegen die Flugrichtung sitzen.

Ich konnte den Sitz in der American Airlines Business Class in der Boeing 787-8 schon einige Male fliegen und halte ihn grundsätzlich für einen sehr guten Sitz, der sehr gut gestaltet ist. Nur leider hat man wohl mehr Augenmerk auf hübsche Details gelegt und hierbei in der Anordnung der Sitze einiges im Bezug auf Privatsphäre übersehen, was ihn bei den American Airlines Kunden so unbeliebt gemacht hat, dass American Airlines ihn nun nicht mehr in neue Flugzeuge, außer den Boeing 787-8 verbaut.

American Airlines Business Class Boeing 787-8 | Boarding

Ich bin für diesen Transatlantikflug am selben Tag in Kansas City gestartet und habe entsprechend nicht in Chicago eingecheckt sondern kam als Transitpassagier zum Flug. Meine Wartezeit auf den Abflug habe ich in der neuen American Airlines Flagship Lounge in Chicago verbracht, welche zwar grundsätzlich eine gute Lounge ist, aber diese wird so gehyped, dass ich letztendlich von meinem Besuch enttäuscht war.

Das Boarding für meinen Flug hat überpünktlich begonnen und wurde wie bei American Airlines üblich in neun Zonen unterteilt. Hinzu kommen noch die Preboardings für Familien mit Kindern, Passagiere die mehr Zeit benötigen und Concierge Key Karteninhaber (quasi der HON Circle von American Airlines).

Gruppe 1-4 sind bei American Airlines für die Premium Passagiere und Statuspassagiere vorgesehen.

  • Gruppe 1: First- und Business Class
  • Gruppe 2: oneworld Emerald
  • Gruppe 3: Premium Economy und Saphire Status
  • Gruppe 4: Ruby Status

Gruppe 5- 9 sind dann die verschiedenen Reihen der Economy Class, wobei noch hinzu kommt, dass Gruppe 9 die Basic Economy Class Passagiere, also die in sehr billigen Tarifen ohne Gepäck sind.

American Airlines Business Class Boeing 787-8  | Sitz und Kabine

Seit Einführung der Premium Economy Class bei American Airlines wurde die Business Class Kabine in den Boeing 787-8 noch einmal deutlich verkleinert. Inzwischen hat man nur noch 20 Sitze, welche sich alle in der vorderen Kabine zwischen der ersten und zweiten Tür befinden.

Grudsätzlich handelte es sich bei der American Airlines Business Class in der Boeing 787-8 um eine Reverse Herringbone Business Class, bei welcher allerdings die Sitze so ineinander verschachtelt sind, das je eine Reihe in Flugrichtung und die nächste Reihe gegen die Flugrichtung sitzt.

Ich hatte einen Fensterplatz in der zweiten Reihe reserviert, welcher einer der gegen die Flugrichtung angeordneten Sitze ist. Hierdurch hat man zwar den großen Vorteil, dass man in der Bettposition maximal vom Gang entfernt mit dem Kopf ist und so nicht immer direkt mitbekommt, wenn jemand durch den Gang läuft, allerdings hat der Sitz auch einen großen Nachteil:

Wenn man in der Aufrechten Position sitzt, schaut man direkt auf den Sitznachbarn gegenüber vom Gang. Wenn man also beim Essen nur direkt geradeaus schaut, nimmt man unweigerlich Blickkontakt mit dem Gegenüber auf. Gerade in der Business Class, in welcher die Privatsphäre eine übergeordnete Rolle spielt, sollte man hier die Anordnung der Sitze doch noch einmal überdenken.

Bei den Passagieren kamen diese Sitze aufgrund dieser Anordnung auch sehr schlecht an und wurden nicht weiter verbaut.

Ein weiteres Problem des Sitzes ist, dass immer zwei Sitze eine technische Einheit bilden. Was ich aus Ingenieurssicht nur mehr als nachvollziehen kann, entsteht das Problem, dass die Sitze nicht sauber von einander entkoppelt sind. So bekommt man es durchaus mit, wenn sich der zweite Passagier aufsetzt oder nur in seinem Bett dreht. Gerade für unruhige Schläfer ist dies ein riesiges Thema. Ich selbst habe hiermit zum Glück kein Problem.

Persönlich finde ich den Sitz zum Schlafen sogar besser, als den im Durchschnitt besser bewerteten American Airlines Business Class Sitz in der Boeing 777 oder Boeing 787-9. Neben dem sehr guten Kissen und der kuschligen Decke, trägt auch das offene Fußfach für mich hierzu bei.

Ein kleines oder niedriges Fußfach hat für mich immer das Problem, dass ich beim Drehen mit den Füßen anschlage und so aufwache.

Eine Sache, die ich bei diesem Business Class Sitz fantastisch finde sind die vielen Ablageflächen, in welchen sich z.B. auch der sehr stabile Tisch befindet.

Auch dass jeder Sitz gleich zwei 110 Volt Steckdosen und zwei USB Anschlüsse besitzt, machen den Sitz zu einem fantastischen Arbeitsplatz über den Wolken.

Auch die Positionierung der Sitzverstellung via Touchscreen und auch die Position der herausnehmbaren Steuerung für das Entertainment System war sehr gut platziert. Hier haben sich die Designer des Sitzes offensichtlich viele Gedanken gemacht.

Grundsätzlich verfügt die Business Class Kabine über 3 Toiletten. Eine direkt hinter dem Cockpit und zwei weitere zwischen der Business Class und Premium Economy Class Kabine. Die zwei hinteren Toiletten werden hierbei wohl auch von der Premium Economy Class genutzt, was besonders kurz vor der Landung zu Wartezeiten führen kann.

Die Toiletten selbst waren den gesamten Flug über in einem sehr guten Zustand. Auch dass man für die Toiletten in der Premium Kabine ein hochwertigeres Finish gewählt hat, hat mir sehr gut gefallen.

Am Sitz befand sich bereits das Ameinty Kit, welches auf den ersten Blick sehr unscheinbar wirkt. Der Inhalt des Kits war wiederum sehr gut und umfangreicher als bei vielen anderen Airlines in der Business Class.

American Airlines Business Class Boeing 787-8 | Der Service

Nachdem ich auf dem Flug von London in die USA eine eher schwache Crew hatte, sollte die Crew auf diesem Flug das absolute Gegenteil sein. Direkt nachdem ich mich gesetzt hatte, wurde mir von einer Flugbegleiterin ein Willkommensgetränk angeboten, welches mir mit ein wenig Small Talk überreicht wurde. Hierbei habe ich auch gelernt, dass der Purser und noch ein andere in der Business Class arbeitender Flugbegleiter in London stationiert waren und damit auf dem Nachhauseweg wären.

Noch vor dem Start hat der Purser jeden der 20 Business Class Passagiere per Handschlag und mit Namen begrüßt und bei ein wenig Small Talk über London die Bestellungen für das Essen aufgenommen.

Trotz der späten Abflugzeit in Chicago und der kurzen Flugzeit nach London von nur 7:40 Stunden, hat dies dazu geführt, dass quasi jeder Passagier in der Kabine noch etwas gegessen hat.

Auch ich habe noch Abendessen bestellt, nachdem mich das Essen in der Flagship Lounge nicht wirklich überzeugt hat.

Den Service selbst hat die Crew dann auch mit einer sehr beeindruckenden Geschwindigkeit durchgezogen. Hier hätte man sich möglicherweise sogar schon etwas gehetzt fühlen können, allerdings mögen es Amerikaner beim Essen ja traditionell zügig und bei der kurzen Flugzeit war ein schneller Service auch absolut passend.

Auf 10.000 Fuß haben sich die Flugbegleiter bereits abgeschnallt und auf 16.000 Fuß, knapp 10 Minuten nach dem Start, hat man mir auch mein erstes Getränk mit warmen Nüssen serviert.

Nachdem ich auf die Frage ob ich zügig essen will mit „Ja“ antwortete, stand noch vor dem Erreichen der Reiseflughöhe ein Tablett mit Vorspeise, Salat und Hauptspeise vor mir.

Das Paar in der Mitte, welches das Essen langsamer wollte, bekam übrigens jeden Gang einzeln serviert. Dieses Maß an Flexibilität war für die Crew kein Problem.

Nachdem mich das Essen aus London noch sehr enttäuscht hat, war das Essen auf diesem Flug wirklich gut. Der Salat und die Garnelen zur Vorspeise waren frisch  und das Steak sogar perfekt medium, was man in der Business Class bei weitem nicht immer erlebt.

Nur die Soße, die als „Café de Paris Butter“ beschreiben wurde war ein wenig eigen, weshalb ich sie schlicht und ergreifend liegen lies. Nötig war sie allerdings auch nicht, da sowohl das Fleisch als auch die Beilagen gut gewürzt und saftig waren.

Auf das Dessert habe ich verzichtet und nur 35 Minuten nach dem Start hatte ich meine Zähne geputzt und lag im Bett. Das ist vermutlich ein Rekord, wenn man bedenkt, dass ich ein komplettes Menü serviert bekommen habe.

Nach fast sechs Stunden Schlaf bin ich nur 55 Minuten vor der Landung in London aufgewacht und habe festgestellt, dass ein Großteil der Kabine bereits gefrühstückt hatte. Nachdem ich mich aufgerichtet hatte, wurde ich sofort von einer Flugbegleiterin gefragt, ob ich etwas trinken will.

Mein Kaffee wurde mir mit der Frage gebracht, ob ich noch schnell frühstücken will. Auf meine rage was sie denn noch in der kurzen Zeit hinbekommen, wurde mir mit großen Augen „whatever you want!“ gesagt und anschließend tatsächlich das volle Frühstück serviert. Dieses stand dann wohlgemerkt 45 Minuten vor der Landung erst vor mir und ich habe es schon erlebt, dass man mir 90 Minuten vor der Landung sagte, dass keine Zeit mehr für das „große Frühstück“ sei. Daher Hut ab hierfür.

Bedenkt man die kurze Flugzeit, ist ein warmes Flrühstück durchaus überdurchschnittlich. Lufthansa serviert hier nur ein kaltes kontinentales Frühstück, allerdings auch noch bis kurz vor der Landung.

Geschmacklich war das Omelette sogar recht gut und die Früchte frisch und saftig.

Mein Frühstück wurde ganz entspannt abgeräumt, als die Anschnallzeichen bereits angeschaltet waren und wir uns im Sinkflug befanden. Nachdem ich mich hier schnell für die Landung umgezogen hatte, machte der Purser noch einmal eine Runde durch die Business Class und verabschiedete sich bei jedem Passagier einzeln.

Nach den obligatorischen Warteschleifen über London, sind wir dann auch fast pünktlich in London gelandet.

American Airlines Business Class Boeing 787-8 | Frankfurtflyer Kommentar

Dieser Flug hat mir eines wieder sehr deutlich gezeigt: Mit der Crew steht und fällt das Flugerlebnis und diese Crew von American Airlines war wirklich fantastisch. Für mich war dieser Flug in der American Airlines Business Class in der Boeing 787-8 zwischen Chicago und London fast perfekt.

Ich habe sehr gut geschlafen und die Crew hat einen extrem freundlichen und effizienten Service durchgezogen, bei welchem man auch auf die Bedürfnisse der einzelnen Passagiere eingegangen ist. Und da soll noch mal einer sagen, so etwas gibt es bei US Airlines nicht.


Dieser Tripreport besteht aus folgenden Teilen:

Das könnte Euch auch interessieren

1 Kommentar

  1. Danke für deine AA-Einblicke Christoph!
    Über die Sitze habe ich mir bei meiner Buchung schon den Kopf zerbrochen. Ich fliege Ende Juli erstmals mit AA MUC-DFW und zurück. Ich habe nun einmal 1A und 2K reserviert, da ich die Liegeposition mit dem Kopf weg vom Gang ganz gut finde. Bin sehr gespannt auf den Flug und auf das neue Flugerlebnis rückwärts zu sitzen und hoffe auf ähnlich guten Service wie bei deinem Rückflug!

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*