Review: Lufthansa Cityline Business Class Kurzstrecke von Bremen (BRE) nach Frankfurt (FRA) in der Embraer 190

Ein Inlandsflug in der Embraer E190 der Lufthansa operated by Lufthansa CityLine von Bremen (BRE) nach Frankfurt (FRA) klingt auch in der Business Class nicht nach dem, wovon Flugbegeisterte träumen. Doch für mich war es der erste Flug seit fast acht Monaten. Dabei war es weniger die Corona-Pandemie, die mich am Boden gehalten hat, sondern mehr die Familie. Unsere Thailand-Reise Anfang des Jahres war der letzte Trip, bevor meine Frau und ich uns verständigten, auf Grund ihrer Schwangerschaft vorerst nicht mehr zu reisen. Nun sind die beiden Mädchen seit fast drei Monaten Teil unserer Familie und ans Fliegen war zunächst nicht zu denken. Daher freute ich mich auf diesen Flug, obwohl ich Lufthansa in der Regel soweit wie nur irgendwie möglich die kalte Schulter zeige. Aber bei den Alternativen zwei Mal 4-5 Stunden Auto- oder Zugfahrt, schien mir die Option des Lufthansa Inlandsflugs doch die akzeptabelste Lösung.

Embraer 190 am Gate in Bremen.

Lufthansa Cityline Business Class Kurzstrecke von Bremen (BRE) nach Frankfurt (FRA) in der Embraer 190 | Buchung

Der Grund für meine Reise nach Frankfurt hing lange Zeit am seidenen Faden. Daher tat ich mir auch mit einer Buchung im Voraus schwer. So kam es natürlich, wie es kommen musste. Die Preise kurz vor Abflug schnellten in die Höhe. Mit einem Oneway-Flug hat der Fluggast bei vielen Airlines ja sowieso gerne das Nachsehen. Insbesondere auf Monopolstrecken, wie zwischen Frankfurt und Bremen.

So entschied ich mich tatsächlich erst zwei Tage vor Abflug, mein Ticket mit Lifemiles der südamerikanischen Fluggesellschaft Avianca zu buchen. Mit 16.000 Meilen und rund 70 Euro Gebühren auch für ein Business Class Ticket kein Schnäppchen. Normalerweise kann man bei Lifemiles sehr gut ohne hohe Steuern und Gebühren buchen, doch wer Lufthansa Meilentickets bucht, ist auch hier im Nachteil.

Die Tickets wurden allerdings sehr schnell ausgestellt und selbst wenn ich dann doch nicht hätte fliegen müssen, wäre der Verlust zu verkraften gewesen. Die Lifemiles liegen schon seit geraumer Zeit auf meinem Konto. Die Sorge wegen des Avianca Insolvenzverfahrens meine Meilen komplett zu verlieren, schalten den Meilenrechner im Kopf derzeit aus.

Hans Koschnick Flughafen der freien Hansestadt Bremen.

Lufthansa Cityline Business Class Kurzstrecke von Bremen (BRE) nach Frankfurt (FRA) in der Embraer 190 | Anreise und Check-In

Wie oft ich in der letzten Zeit Lufthansa geflogen bin, zeigt mir mein Mobiltelefon. Ich hatte auf dem Gerät nicht einmal die Lufthansa App installiert. Das holte ich kurzfristig nach, um schnell den Online-Check-In zu erledigen und meine Boardkarte auf das iPhone zu laden. Doch vorher änderte ich noch meinen Sitzplatz auf den mittlerweile verfügbaren Sitz 2F.

Wir waren erst vor Kurzem von Düsseldorf nach Bremen gezogen. Daher kannte ich den Flughafen und seine Umgebung noch nicht. Die zentrale Lage bot jedoch mehrere Option für die Anreise zum Flughafen an. Direkt vor dem Terminal befindet sich eine Straßenbahn-Station und mit dem Taxi hätte es etwa 20-25 Euro gekostet. Da der Sixt Taxi-Gutschein aber mal wieder nicht funktioniert hat und ich später noch einen Mietwagen zurückgeben musste, nahm ich das eigene Auto zum Flughafen. Die Tagespauschale für das Parken direkt am Terminal beträgt 21,50 Euro und lag damit im Bereich einer Taxifahrt.

Totenstimmung im Bremer Flughafen.

Im Umfeld des Flughafens angekommen führte mich die Beschilderung auf direktem Weg ins Parkhaus. Dass der Flughafen derzeit kaum genutzt wird, erkannte ich schon an den wenigen belegten Parkplätzen. Im Abflug-Bereich des Terminals ebenso gähnende Leere. An der Sicherheitskontrolle war ich zu dem Zeitpunkt der einzige Fluggast. Demnach war ich auch extrem schnell im Sicherheitsbereich.

5-Sterne-Premium Lounge-Erlebnis heute nicht für mich.

 

 

Ich war ziemlich früh vor Ort, da ich auch mal wieder eine neue Lounge testen wollte. Dass die Lufthansa Lounge geschlossen ist, wusste ich. Was die Primeclass Lounge / Bremen Airport Lounge angeht, war ich zuversichtlich. Auf der Webseite war nur von eingeschränkten Öffnungszeiten die Rede. Doch auch hier stand ich vor verschlossener Türe. Ich überbrückte daher im Café die gut 90 Minuten bis zum Abflug.

Bald Geschichte: Eine Trainings-Maschine der Bremer Pilotenschule mit Lackierung der japanischen ANA.

Lufthansa Cityline Business Class Kurzstrecke von Bremen (BRE) nach Frankfurt (FRA) in der Embraer 190 | Flugdaten

Flugnr.: LH355
Sitz: 2F, Fenster
Kabine: Business Class
Konfiguration: 12 Business

84 Economy

Abflug (Offiziell): 11:30 (11:05)
Ankunft (Offiziell): 12:20 (12:05)
Reisezeit:  0:49 Std.
Typ: Embraer 190 (E190)
Registrierung:
D-AECA
Boarding am Gate A1.

Lufthansa Cityline Business Class Kurzstrecke von Bremen (BRE) nach Frankfurt (FRA) in der Embraer 190 | Boarding & Kabine

Das Boarding für meinen Flug war um 10:45 Uhr geplant. Doch der Abflug verzögerte sich, denn die Maschine kam nicht pünktlich aus Frankfurt an. Erst um 10:56 Uhr berührte die Embraer 190 den Boden des kleinsten deutschen Bundeslandes. Da auch die Maschine entsprechend klein ist, dauert das Aussteigen der anderen Passagiere nicht lang. Und nur wenige Minuten später wurden die Boardinggruppen 1 und 2 aufgerufen. Ganz vorbildlich sortierten sich die Fluggäste mit dem entsprechenden Mindestabstand in die Schlange ein. Ich ging als zweites an Board und konnte so wenigstens Fotos der Kabine machen.

Auch zum Ende des Boardings war die Kabine nie gut gefüllt.

Im Flughafen und an Bord des Fluges herrschte Maskenpflicht. Während die Maskenpflicht im Flughafen kaum genauer spezifiziert war, hat Lufthansa genaue Vorstellungen, welche Masken erlaubt sind. Während Alltagsmasken aus Stoff und die üblichen Einweg-Masken okay sind, erlaubt das Star Alliance Mitglied keine FFP-Masken mit Filter. Diese trug ausgerechnet der Passagier vor mir beim Boarding. Der Purser bemerkte dies bei der Begrüßung und informierte den Fluggast freundlich. Zur Lösung der Situation händigte der Lufthansa Flugbegleiter eine erlaubte Maske aus.

Insgesamt 108 Fluggästen biete die von Lufthansa CityLine betriebene Embraer 190 im Maximum Platz. In der normalen Konfiguration werden zwölf Sitze zu sechs Business Class Sitzen umfunktioniert. Der Nebenplatz bleibt immer frei. Auf unserem Flug gab es Platz für zwölf Fluggäste in der Business Class. Der Vorhang hing dementsprechend hinter der sechsten Reihe. Das Seatblocking geschieht dabei durch eine Tischähnliche Vorrichtung auf dem jeweils freien Nebenplatz. Die geblockten Sitze sind immer verschachtelt angeordnet, so dass der Abstand zwischen den Fluggästen noch etwas größer ist, da niemand direkt hinter oder vor einem sitzt. Das hat nicht einmal etwas mit Corona zu tun, sondern ist Standard. Auf den restlichen 84 Economy Sitzen saßen die Fluggäste dann aber wieder direkt nebeneinander, wobei die Auslastung dafür sorgte, dass es gar keiner Buchung der Business Class bedurft hätte, um mehr Platz zu haben.

Das Flugzeug-Modell war schon etwas betagt und so sah alles schon etwas abgenutzt aus. Der Tisch befand sich wie üblich im Vordersitz, USB-Ports oder Steckdosen zum Laden eines mobilen Endgeräts gab es natürlich nicht. Für einen Flug von weniger als einer Stunde auch nicht zwingend notwendig, zumindest wenn man sein Notebook vor Abflug aufgeladen hat.

Lufthansa Cityline Business Class Kurzstrecke von Bremen (BRE) nach Frankfurt (FRA) in der Embraer 190 | Service

Noch vor dem Start verteilte der Purser an die Gäste der Business Class eine 0,5 Liter Flasche Wasser. Außerdem wurden Desinfektionstücher ausgegeben. Da die Flugzeit mit einer Stunde schon knapp war und der Pilot zusätzlich noch etwas Zeit aufholen wollte, musste es nach dem Start recht schnell gehen. Direkt nachdem die Anschnallzeichen erloschen waren, wurde der Vorhang zur Galley geschlossen, um das Essen vorzubereiten. Schön zu sehen, dass die Vorhänge grundsätzlich nicht InOp (außer Betrieb) waren, denn die beiden Lappen die Economy Class von Business Class trennen, wurde während des gesamten Fluges nicht geschlossen. Aber da hab ich mich im Nachhinein auch belehren lassen, dass das auch nicht üblich sei.

Pre-Departure Drink.

Ich bekam mein Essen als zweites serviert. Neben mir gab es lediglich drei weitere Gäste in der Business Class. Auf einem Tablet wurde ein kalter Snack bestehend aus drei Scheiben Putenbrust-Aufschnitt mit grünem Pesto, einer Beilage die wie ein Chutney aussah und schmeckte, sowie etwas Balsamico-Creme ausgehändigt. Dazu gab es ein Brötchen mit Butter, Salz fehlte hingegen. Als Nachtisch warteten ein kleines Küchlein mit Vanille-Creme, sowie zwei belgischen Pralinen auf mich.

Kurzstrecken-Snack in der Lufthansa Business Class.

Der Purser nahm anschließend noch meinen Getränkewunsch auf. Ich fragte dabei freundlich nach einem Sekt, der mir kurze Zeit später auch serviert wurde. Nachgeschenkt wurde jedoch nicht und so war das Abräumen das Tablets die letzte Interaktion mit den Business Class Gästen.

Nach etwa 40 Minuten Flugzeit meldete sich der Co-Pilot kurz aus dem Cockpit und informierte über den Landeanflug auf Frankfurt. Dort landeten wir um 12:20 Uhr. Das Flugzeug wurde trotz bestehender Corona-Abstandsregeln auf einer Außenposition geparkt. Alle Fluggäste wurden mit nur einem Bus zum Terminal gebracht. Mir war nicht bewusst, dass das überhaupt noch jemand so durchzieht. Und schon gar nicht Deutschlands 5-Sterne Premium Airline.

Lufthansa Cityline Business Class Kurzstrecke von Bremen (BRE) nach Frankfurt (FRA) in der Embraer 190 |  Frankfurtflyer Kommentar

Es gibt ja das englischsprachige Sprichwort „You get, what you pay for“. In der Lufthansa Business Class müsste es lauten: „you get less than you pay for“. Kein Lounge-Zugang, Essen und Getränke im Wert von deutlich unter zehn Euro und Aussteigen per Bus. In der Vergangenheit hat zumindest immer mal wieder eine motivierte Crew das grottenschlechte Produkt rausgerissen. Das war in diesem Fall leider nicht so. Aber wer mag es den Mitarbeitern in der derzeitigen Situation auch verübeln. Ich zumindest nicht.

In Summe bleibt nur festzustellen, dass wer den Aufpreis für dieses Produkt außerhalb eines Zubringers zur Langstrecke bucht, entweder gerne sein eigenes oder das Geld seines Arbeitgebers verbrennt.

Das könnte Euch auch interessieren

9 Kommentare

  1. Auf einer derartigen Kurzstrecke würde ich niemals Business fliegen, auch nicht mit Meilen, das lohnt sich nie und nimmer. Es war, in Covid19 Zeiten, auch abzusehen, dass die Economy-Klasse nicht ausgebucht sein würde…, also reichlich Platz für jedermann!

  2. Zwischen Usedom und FRA war’s in der „Holzklasse“ das gleiche.
    Nach dem Sicherheitsballet das obligate Mineral – – – das war’s dann auch schon. Obwohl der Flug um einiges länger dauerte.

    • Hi Michi,

      herzlich Willkommen bei Frankfurtflyer. Unser Blog besteht zu einem nicht unerheblichen Teil aus Reviews zu Flügen, Hotels und Lounges. Das ist unser Konzept. Wir empfinden Flüge, Hotels und Lounges alles andere als sinnlos. Wie lieben alles was damit zu tun hat.

      Viele Grüße
      Sebastian

  3. Keine Ahnung was der Autor für schlechte Laune hatte. hbae auch gerade meinen ersten Flug nach 7 Monaten gemacht. Alles sehr entspannt und professionell.

    Die Crew war super nett und bemüht, das Essen gut, einziger Unterschied zu früher war die fehlende Brotauswahl.

    Ich bin da bei Michi, scheinbar gehen dem Autor die Themen aus.

    • Hi D,

      Dein Flug ist nicht gleich mein Flug. Dein Flug kann gut sein, während meiner schlecht war. Ich schreibe über meinen Flug, nicht über Deinen Flug. Aber ist doch schön, wenn Du positivere Erfahrungen als gemacht hast.

      Was das mit meinem Portfolio an Themen zu tun hat, kannst Du mir gerne noch mal im Detail erklären.

      Viele Grüße
      Sebastian

      Viele Grüße
      Sebastian

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*