Review: Lufthansa Premium Economy Boeing 747-8i Frankfurt nach Peking

Lufthansa hat die Premium Economy mit viel Werbeaufwand eingeführt. Man sah einen Mann glücklich im Flugzeug Ukulele spielen und die Flugbegleiter schienen sich extra große Mühe zu geben. So etwas wollte ich auch einmal erleben und habe deswegen mal ein Abenteuer in der Premium Economy bei Lufthansa gebucht. Außerdem wollte ich erfahren, ob das Mehr an Beinfreiheit in der Premium Economy irgendwie anders ist als ein Platz am Notausgang in der Economy Class.

Lufthansa Premium Economy Kabine
Lufthansa Premium Economy Kabine

Lufthansa Premium Economy Boeing 747-8i | Boarding

Die Sicherheitskontrolle in Frankfurt hatte sich am Abflugtag etwas Neues einfallen lassen. Man sollte sämtliche Kabel aus den Taschen entfernen und in einer separaten Wanne durchleuchten lassen. Gerade bei Reisenden mit großen Rucksäcken und solchen, die irgendwo drin noch Ersatzkopfhörer hatten, sorgte das natürlich für helle Freude. Irgendwann war ich nur froh, dass ich nicht noch 30 Euro für den Loungezugang, den man als Premium Eco Passagier erwerben kann, berappt habe. Zeit für die Lounge hatte ich keine mehr.

Trotzdem habe ich es noch recht früh an Bord geschafft, sodass ich noch ein paar Fotos schießen konnte.

Das Flugzeug füllte sich zügig und die Premium Economy war bis zum letzten Platz gefüllt. Mich hätte natürlich interessiert, wie viele davon über Gebote erfolgreich waren, aber das erfährt man ja leider nie.

Begrüßungsdrink in der Premium Economy

Lufthansa Premium Economy Boeing 747-8i | Sitzplatz

In der 748-Version, die ich geflogen bin, befindet sich die Premium Economy im Unterdeck zwischen der kleinen vorderen Economy-Kabine und der hinteren Economy-Kabine. Die Anordnung ist tatsächlich etwas verwirrend und führt dazu, dass man sich als Gast in der Premium Economy sicher in der Economy Class verortet fühlt.

Die kleinen halbdurchsichtigen Trenner zwischen Premium Economy sind eher optischer Schmuck, als dass sie die Kabinen wirklich trennen. Zudem befinden sich die vorderen Economy-Toiletten im vorderen Bereich der Premium Eco, so dass man recht konstant Durchgangsverkehr hat. Von Exklusivität keine Spur.

Ich hatte mich für einen Fensterplatz in der zweiten Reihe der Premium Economy entschieden. Ich wollte auf keinen Fall in einem der mittleren Viererriegel sitzen und dachte, da es sich um einen Nachtflug handelt, dass ich nicht oft unfreiwillig aufstehen wollte. Später dazu mehr.

Zunächst fällt die gegenüber der Eco deutlich verbesserte Beinfreiheit beim Sitzen auf. Der Monitor ist auch etwas größer und der Sitz mit mehr Features ausgestattet. So gibt es eine kleine Abstellfläche für Getränke und man hat eine eigene schmale Armlehne.

Am vorderen Sitz ist eine Fußstütze angebracht, die für Menschen bis 1,70cm eventuell irgendeinen Nutzen hat. Mich hat sie eher gestört – gerade dann, wenn ich versehentlich die Arretierung gelöst habe und die Fußstütze dann runterklappte.

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Lufthansa Premium Economy Boeing 747-8i | Sitzplatz | Zurücklehnen

Ein weiteres Feature des Sitzes ist, dass er sich merklich weiter nach hinten lehnen lässt als ein Standard-Economy Sitz. Was einen selbst beim Sitzen und Entspannen einen Komfortgewinn verschaffen kann, gilt jedoch auf für den Sitz vor einem. Wird dieser weit nach hinten gelehnt, dringt der Sitz unangenehm in den eigenen Bereich ein. Das ist gerade dann ärgerlich, wenn man aufstehen möchte. Dann ragt der Vordersitz so weit nach hinten, dass man nicht mehr aufrecht stehen kann. Möchte man dann vom Fenster kommend über die neben einem sitzende Person in den Gang steigen, ist das eine sehr herausfordernde akrobatische Übung, die noch schwerer wird, wenn auch der nächste Sitz noch voll nach hinten geneigt ist.

Wer weniger Rücksicht nimmt, stützt sich einfach auf allen zur Verfügung stehenden Sitze ab und bringt diese damit zum Federn. An Schlaf ist dann nicht zu denken. Dabei war gerade die Hoffnung auf verbesserten Schlaf im Vergleich zur Economy Class eine der Hoffnungen, die ich mit der Premium Economy verband.

Lufthansa 748i Sitzplan Premium Economy – (c) Lufthansa.com

Lufthansa Premium Economy Boeing 747-8i | Service & Catering

Ziemlich zügig nachdem ich Platz genommen hatte, wurde mir das Begrüßungsgetränk angeboten – der inzwischen fast schon ikonische Orangensaft mit Minze. Irgendwie ein bisschen premium, denn mit so einem Getränk geht die Zeit bis zum Abflug einfach schneller rum. Und gerade wenn man bei der Siko viel Zeit verloren hat und zum Gate „hechtet“ ist es dann ganz nett. Geschmacklich ist es halt eine Variation zum gewöhnlichen Orangensaft, aber leider auch nicht so cool wie ein Sekt in der Business Class, den man ja oft auch um ein alkoholfreies Getränk erweitern kann.

Das servierte Essen zu den Mahlzeiten entspricht den Economy Essen mit dem Unterschied, das in der Premium Economy das Essen nicht in Aluschälchen serviert wird. Das macht optisch einen besseren Eindruck, geschmacklich oder mengenmäßig jedoch keinen Unterschied.

Als ich fragte, ob es nach dem Abendessen noch Snacks gäbe, wurde die Frage zunächst verneint, dann wurden mir aber noch Schokoriegel gebracht. Damit wurde mein Snack ein zweites Dessert.

Außerhalb der Mahlzeiten gab es immer wieder einen Getränkeservice mit Wasser und Saft vom Tablett, man konnte aber bei dieser Gelegenheit problemlos Getränke ordern, die dann später an den Platz gebracht wurden.

Lufthansa Premium Economy Boeing 747-8i | Amenity Kit

In der Premium Economy liegen am Sitzplatz Amenity Kits bereit. Mein kleines Stofftäschchen hatte ein Cerruti 1881 Branding. Darin befanden sich Socken, eine Augenmaske, Lippenbalsam und Ohrstöpsel. Praktisch und eine nette Geste.

Lufthansa Premium Economy Boeing 747-8i | Entertainment

An jedem Sitzplatz der Premium Economy gibt es ein individuelles Entertainmentsystem. Der Bildschirm ist an der Rückseite des Vordersitzes angebracht. Außer in Reihe 21, dort werden die Monitore an einem Arm ausgeklappt. Beides hat Vor- und Nachteile.

Am Vordersitz ist der Monitor recht hoch angebracht und man kann auch während des Taxis, des Starts und der Landung das Entertainmentsystem weiternutzen. Wenn allerdings der Vordersitz maximal nach hinten gestellt wird, ist das Filmvergnügen doch schon etwas eingeschränkt, obwohl man den Monitor leicht schwenken kann, um dieses Rücklehnen auszugleichen.

Wenn man den Monitor hingegen an dem Arm hochklappen muss, bleibt der Winkel konstant. Dafür ist der Monitor niedriger.

Die Größe ist mit 12 Zoll angenehmer als in der Economy Class und die Auflösung ist ausreichend gut.

Direkt unterhalb des Monitors ist eine Buchse für 3,5mm Klinken und einen USB-Stecker. Drüber kann man dann z.B. auch Fotos vom Smartphone ansehen.

Leider reflektiert der Monitor sehr stark (Glare).

Lufthansa Premium Economy Boeing 747-8i | Dies & Das

Auf diesem Flug wollte die Crew wohl ein besonders kühles Flugzeug haben. So kalt war es selten bei der Lufthansa. Leider sind die Decken in der Economy und der Premium Economy dünn und wärmen nicht wirklich. Schade. Da haben sogar viele asiatische Carrier auf kurzen Flügen bessere Decken.

Lufthansa Premium Economy Boeing 747-8i | Frankfurtflyer Kommentar

Mein erster Flug in der Premium Economy der Lufthansa. Insgesamt schön, aber sehr nah an der Economy. Eigentlich eher so, wie ich mir Economy wünschen würde. Vernünftiger Sitzabstand, ein angemessen großer Bildschirm. Ich würde die Premium Economy z.B. auch den Sitzplätzen mit dem riesigen Fußraum in der Economy vorziehen, da in der Premium Economy die Sitze breiter sind. Auch die Armlehnen bieten etwas mehr Platz, sodass der „Ellenbogenkrieg“ nicht ausbricht.

Ich finde, dass die Premium Economy ein sehr interessantes Produkt ist. Die Ratios zum Meilensammeln sind recht gut und man fühlt sich wie früher in der Economy bei den guten Airlines.

Ich glaube, dass die Premium Economy insbesondere für längere Tagflüge, an denen man nicht arbeiten muss/möchte gut geeignet ist.

Alle Beiträge des Tripreports findet Ihr hier:

Geplant & Gebucht
Lufthansa Premium Economy Boeing 747-8i
JW Marriott Beijing Central
JW Marriott Beijing
JAL Business Shell Flat Neo Boeing 787-8
Prince Sakura Autograph Collection
JAL International Sakura Lounge Tokio Narita
JAL Business Suite I Boeing 787-8
JW Marriott Hanoi
Vietnam Airlines Economy Airbus A350
Sheraton Saigon Hotel Ho-Chi Minh City
Vietnam Airlines A321 Economy Class Saigon
Thai Airways A350 Economy Class Bangkok
Wanderlust Design Hotel Singapur
Lufthansa Premium Economy A380

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11 Kommentare

  1. Die Lage der PremEco ist in der 747-8 total bescheuert gelöst mit der Lage zwischen den zwei Eco Kabinen. Und die Toiletten in der Mitte bringen eine totale Unruhe rein. Am schlimmsten sind die Plätze am Notausgang, da dort zum einen das Licht der Toiletten so hell stört und man zum anderen dauernd auf Leute schaut die an den Toiletten warten. Ich bin froh, dass es die PremEco gibt da sie schon merklich besser ist als die normale Eco (zumal wenn man seitens der Company leider nicht C fliegen darf), im A380 sogar sehr gut mit der eigenen Kabine ganz vorne. Man muss aber auch sagen, dass andere Airlines da einiges mehr machen mit PremEco: eigene Kabine (vor allem eigene Toiletten!), eigener Check In, Pre-Boarding, Essen und Getränke eher Business minus. Genannt seien hier Singapore Airlines, Austrian, LOT und mein Favorit Air New Zealand.

    • Hallo Tom,
      ja, die PE in der B748 ist bei LH sicherlich nicht so überragend. Zum Glück konnte ich sie auf der Reise dann noch im A388 kennenlernen.
      Das „Akrobatikproblem“ hat m.E. Singapore Airlines auch.

      • JA im A388 ist es bei LH am besten gelöst..obwohl man hier für die Toiletten komplett durch die Eco zurücklaufen muss..eigentlich auch dämlich. Aber die Lage vorne unten ist topp und man ist schnell raus und an der Immigration.
        Ja..die Sitze bei SQ sind ähnlich. Hatte hie rneulich das Erlebnis, dass der Platz im A380 viel grosszügiger ist als im A350, die Sitze kamen mir enger vor.
        Topp ist hier die Air New Zealand mit z.T. 116cm Abstand in der PremEco.

  2. Volle Zustimmung. Ich kann der Zwischenklasse nichts abgewinnen. Fliege lieber freiwillig Holz oder aber Business wenn ich zeitnah Termine habe (Regel ist eigentlich das ich ab 4h Business nehmen soll aber da ich meine Flüge selbst buchen lasse entscheide ich das nach Preis und Sinnhaftigkeit – mehrere Flüge / Länder hintereinander == Business. Ansonsten brech ich mir auch in der Economy keinen ab).

  3. Ich hab die Perm-Eco das erste mal gebucht, als LH sie vorgestellt, aber noch nicht verbaut hatte. Die Lieferung des ersten 747-8 stand damals noch aus. DAS Produkt war für schlappe 300,- € hin und zurück nach HKG zu bekommen…..
    Da ich 747 Fan bin und gespannt war, hab ich hin den Umweg über FRA genommen und retour den direkten Weg nach MUC mit 340-600 damals…….
    Ich kann alles in diesem Bericht bestätigen. Die gleichen Kritikpunkte. Nur mein Resümee ist ein anderes. Seit dieser Zeit buche ich Business für meine privaten Fernflüge. Premium -Eco ist irgendwie gewollt und nicht gekonnt. KLM/AIrfrance sind da noch schlimmer als LH, gibt es nicht mal einen breiteren Sitz…..

    • Ich bin mit Aeroflot von Moskau nach Bangkok und zurück in Comfort Class gereist. Es war einfach super! Platzangebot, Bedienung usw.

  4. Sehr Interessant. Da wurde ich bei China Airlines, in der PE ja sehr verwöhnt! Danke für den guten Beitrag. Für mich ist die PE von LH damit eher uninteressant. Vor allem, weil die Rückenlehnen vom Vordersitz so störend sein können.

    Gruß
    Alex

  5. Wer ein wenig englisch sprich fliegt bei dem Preis doch lieber eine billige Buissnesclass als den Mist. Der Aufreis ist nur ok für Leute mit restless leg Syndrom oder so, für mich heisst es schon länger Augen zu und eco, oder ab in die C wie auch immer.

  6. Spannend wie unterschiedlich die PE im Vergleich zu unserem Flug MUC-MIA A380 und zurück Dezember 2019.
    Das Cerruti Täschchen wurde bei uns gar nicht mehr ausgegeben, war ein Einkaufshopper der von geringer Qualität war. Der Orangensaft mit Minze war nur noch ein Orangensaft ohne Minze, schmeckte eher nach Pfirsich.
    Im Gegensatz zu 2018 hat sich die PE verschlechtert, werde sie nur noch buchen wenn es ein Schnäppchenpreis gibt. Ansonsten zu überteuert für die Leistungen die LH bringt.

    • Leider werden die Produkte fortwährend „optimiert“. Meist aus Sicht der Controller im Unternehmen und nicht aus Sicht der Kunden.
      Die Amenity Kits wechseln bei LH andauernd. Das hat oft mit Kooperationen zu tun.

  7. Guter Bericht!!
    Ich fliege alle 2 Wochen von MUC nach IAD oder CLT und empfinde die PE als eine durchaus sinnvolle Alternative zu Eco(Komfort) und Business(Preis).

    Im A350/A340/A330 finde ich die Lager der PE (direkt nach der „kleinen Business“ ganz gut. Mann ist schnell aus dem Flugzeug raus und das kann bei der Immigration schon mal Gold wert sein.

    Sonst finde ich gerade den höheren Neigungswinkel in der PE sehr angenehm um ach mal 2-3 Stunden zu schlafen.
    Die Rückenlehen des Vordersitzes stört beim aussteigen, aber wenn ich sitze und auch zurücklehne, dann geht das für mich ganz gut.
    Und wenn man etwas flexibel ist und vorausschauend planen kann, finde ich die Preise mit 800 – 1200 € nicht schlecht.

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