Review: Mit Etihad nach Australien | Business Class von Paris nach Sydney

Es gibt inzwischen zwar schon Direktverbindungen von Europa nach Australien, noch beschränkt sich das auf eine einzige Route. Qantas tut gerade alles dafür, daß das Angebot von London nach Perth um weitere Strecken erweitert wird. Ansonsten bleiben zahlreiche Umsteigeverbindungen mit mindestens einem Stopp. Neben den vielen asiatischen Gesellschaften wie ANA, Thai oder Singapore Airlines bieten auch British Airways und Qantas Umsteigeverbindungen via Singapur an.

Hinzu kommen die drei grossen Golf-Carrier die mehrfach täglich die langen Flüge zum fünften Kontinent anbieten. Ich bin mit Etihad über deren Drehkreuz in Abu Dhabi nach Sydney geflogen und möchte meine Eindrücke mit Euch teilen.

Mit Etihad nach Australien | Check-In & Boarding

Etihad fliegt täglich aus Frankfurt, München und Düsseldorf nach Abu Dhabi. Ich habe mich für eine Verbindung ab Paris entschieden, wo die arabische Airline zweimal mit einer Boeing 777-300ER abfliegt. Diese bietet je nach Konfiguration bis zu 402 Sitzplätze an, aktuell wird auf der Strecke auch eine First Class angeboten. In der Business Class sind 40 Sessel in zwei Compartments verbaut.

Auf dem Mega-Airport Charles des Gaulle checkt Etihad ihre Kunden im Terminal 2C ein. Es gibt mehrere Schalter für Economy-Passagiere, zwei für Business Class und Statuskunden sowie einen Schalter für die First. Die Residence gibt es nur auf Airbus 380 und wird zur Zeit nicht in Paris angeboten.

Der Check-In dauerte zwar seine Zeit, aber ich hatte einen kurzweiligen Smalltalk mit der Agentin am Schalter und war nach etwa 20 Minuten auf dem Weg zum Sicherheitsbereich. Mit einer Accés No. 1 Karte darf man entsprechende Wege nutzen und kommt so schnell durch die Kontrolle und Ausreise. Die Zeit zum Boarding habe ich in der wunderbaren Etihad Lounge genutzt, für mich ein Filetstück unter den Lounge-Angeboten die ich bisher kannte.

Ich kann nur annehmen, daß das Boarding pünktlich startete, denn in der Lounge kam der Aufruf erst etwas kurzfristiger. Ohne Gedränge am Gate ging es dann in das Flugzeug, beim Boarden habe ich acht Mitarbeiter gezählt die für einen reibungslosen Einsteigevorgang sorgten. Es fällt bereits in der Lounge auf, daß Etihad nicht an Manpower spart.

Mit Etihad nach Australien | CDG-AUH

Herzlich wurde ich an Bord der etwas betagten 777 begrüßt und erhielt noch während ich meine Sachen verstaut habe ein Willkommensgetränk. Heiße Tücher wurden verteilt, Amenity Kit und Kopfhörer lagen bereits am Sitz.

Der Sitz

Die Anordnung der Sitze ist 1-2-1. Die Mittelsitze sind entweder sehr nah zusammen, was für Paare perfekt ist. Sonst könnte man auch eine Trennwand nutzen. Bei der anderen Variante sind die Sitze im Mittelblock so versetzt, daß man direkt am Gang sitzt und sich mit einem Mitreisenden nur schwer unterhalten könnte. Dafür ist der Abstand dann zu groß.

Für Alleinreisende sind die Fensterplätze geeigneter. Diese sind ebenfalls versetzt und entweder direkt am Fenster oder ebenfalls nah am Gang.

 

Service

Der Großteil der Passagiere war bereits an Bord, die Flugbegleiter nutzten die Gelegenheit um den Aperitif und Menüwünsche abzufragen. Das finde ich auf kurzen Nachtflügen sehr wichtig, damit nach dem Start der Service schnell durchgeführt werden kann. Durch das gute Loungeangebot und die späte Stunde gab es ohnehin nicht viele Gäste die nach dem Start essen wollten.

 

In der Luft wurden dann auch tatsächlich die Getränke zum Aperitif zusammen mit Nüssen zügig serviert. Bei der Menüabfrage darf übrigens jeder Gast individuell entscheiden wann er essen möchte, daher gibt es in diesem Sinne auf keinem Flug einen expliziten  Servicedurchgang. Trolleys und Wagen bekommt man in der Business Class Kabine also nicht zu sehen.

 

 

 

 

Neben dem 3-Gänge-Menü besteht die Speisekarte zusätzlich aus einem „All-Day-Dining“ Konzept. So kann sich jeder Fluggast nach dem eigenen Rhythmus nur einen Snack, ein Frühstück oder eine vollwertige Mahlzeit bestellen. Bei dem hohen Anteil an Nachtflügen und Transitpassagieren ist das somit optimal gelöst.

Als Vorspeise habe ich mich für die Mezze entschieden, ein Klassiker bei den Golf-Airlines und passend zu jeder Tageszeit. Der Hauptgang war für mich seit langer Zeit mal wieder ein absolutes Highlight unter den Mahlzeiten im Flugzeug. Die Ochsenbäckchen waren optisch sehr ansprechend und hätten kaum zarter sein können. Das Dessert wurde warm serviert und war ein gelungener Abschluss.

Noch während ich beim Hauptgang war, wurde die Kabine abgedunkelt. Das schummerige Licht und den schönen Sternenhimmel empfand ich als sehr angenehm. Von einem Film habe ich nur den Anfang mitbekommen, denn ich bin schnell eingeschlafen. Als die ersten Vorbereitungen zu Landung vorgenommen wurden, war noch Zeit für einen Espresso. Für die schnelle Einreise wurden noch Fast Track-Karten verteilt, 20 Minuten vor der geplanten Zeit waren wir schon am Gate.

Ich habe mich entschieden eine Unterbrechung in Abu Dhabi einzulegen und nicht direkt nach der Ankunft weiter zu fliegen. Die Einreise war zügig, das Angebot an Hotels ist groß und Uber ist als Alternative zu Taxis verbreitet.

Mit Etihad nach Australien | AUH-SYD

Am nächsten Morgen konnte ich ausgeschlafen und frisch die Reise fortsetzen. Die meisten Gäste waren müde von einem Nachtflug oder einem langen Transit. Es handelte sich um die gleiche Sitzanordnung, diesmal saß ich am Fenster. Ich habe mich im Verlauf des Fluges sehr gut mit meinem Sitznachbarn über den Gang unterhalten können und kann daher für zusammenreisende Paare auch diese Plätze sehr empfehlen.

Es war noch etwas Zeit bis sich die Maschine in Bewegung setzte, die Crew schenkte Champagner nach, der Aperitif wurde auch schon abgefragt. Speisekarten und Amenity Kit waren auch diesmal am Sitz, manche Airlines übergeben diese persönlich. Auch auf der langen Strecke nach Sydney gab es leider keine Schlafanzüge oder Slipper.

Ich hatte keinen großen Hunger und bestellte nach dem Start nur etwas Käse. Die Stewardess aus meinem Bereich war sehr charmant und hatte immer Zeit für einen kleinen Plausch. Leider musste sie mir schon nach einer guten Stunde Flug mitteilen, daß es keinen Champagner mehr gibt. Sie hat anscheinend gemerkt dass ich davon sehr überrascht war und brachte ein Glas Charles Heidsieck Reserve aus der First Class. Das war es dann aber mit den Vorräten, etwas dürftig für so einen langen Flug.

Etwas später wurde meinem Wunsch entsprechend die Menüfolge serviert, Geschmack und Qualität waren wieder überzeugend gut! Leider war jetzt auch schon einer der beiden Rotweine nicht mehr verfügbar, ein Missstand für die Crew sich erneut entschuldigen zu müssen. Da auf diesem Flug die meisten Gäste den Zeitpunkt zum essen individuell gewählt haben, waren die Flugbegleiter sehr konstant in der Kabine unterwegs. Gläser wurden übrigens immer leer gebracht und in einem separaten Gang vor dem Gast eingeschenkt.

IFE & Internet

Im Entertainmentsystem wurden viele neue Filme angeboten und die Kopfhörer verfügten über beste Geräuschunterdrückung. Lediglich die Bildschirme waren etwas altbacken und hatten stellenweise eine lange Reaktionszeit. Das Internet war stabil und auf dieser Strecke durchgehend verfügbar. Etihad hatte früher kostenfreies Internet für Premium-Passagiere, das wurde dann auf zeitgebundene Pakete gegen Bezahlung umgestellt. Inzwischen gibt es einen Volumentarif in drei verschiedenen Größen.

Die Gespräche mit meinem Sitznachbarn und der Flugbegleiterin machten den Flug sehr kurzweilig. Nach einem Film und etwas Schlaf ging draußen schon die Sonne auf und es waren lediglich noch eineinhalb Stunden bis zur Landung. Ich bestellte ein Steak-Sandwich und etwas Obst. Es schmeckte entgegen meiner Erwartung gar nicht fad oder trocken, ganz im Gegenteil.

Ich habe zwar noch mitbekommen wie man sich entschuldigte, daß es kein Sprudelwasser mehr gibt, so kurz vor der Landung kann man das aber besser nachvollziehen. 20 Minuten vor der geplanten Zeit sind wir auf dem Kingford Smith Flughafen in Sydney gelandet.

Mit Etihad nach Australien | Frankfurtflyer Kommentar

Etihad bietet einen angenehmen Weg an, die lange Reise nach Australien anzutreten. Mit mehreren Frequenzen sind die Flüge an die Zubringer aus Europa gut abgestimmt und man kann so in gut 20 Stunden von Mitteleuropa nach Australien reisen.

Das Produkt unterscheidet sich bei Etihad etwas nach Flugzeugtyp, auf dem A380 gibt es beispielsweise eine Bar und im Dreamliner findet man die neuste Generation des Business Class Sitzes.

Natürlich ist es jammern auf hohem Niveau wenn der Champagner alle ist. Wer sich aber ein teures Business Class Ticket gönnt, darf auch gewisse Erwartungen haben. Ich fand den Serviceanspruch bei Etihad dennoch insgesamt hoch, das Catering an sich war sehr ansprechend.

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