Review: TAROM Economy Class | Temeswar-Bukarest in der ATR 72-600

Vor kurzem bin auf einer der wichtigsten Routen innerhalb Rumäniens geflogen. Die Strecke von Temeswar (Timișoara) in die Hauptstadt Bukarest ist umkämpft und wird neben dem Nationalcarrier Tarom in Konkurrenz auch von Billigfliegern angeboten. Die Alternative mit dem Auto dauert bei normaler Verkehrslage sechs bis sieben Stunden, mit der Bahn sind es etwa zehn Stunden.

TAROM Economy Class | Die Airline

Die kleine Tarom aus Rumänien bedient ausschließlich Kurz- und Mittelstrecken im Inland, Europa und dem nahen Osten. Der Bukarester Flughafen Otopeni ist für Tarom ein Drehkreuz, Passagiere können dort auf Verbindungen der Airline und deren Partner umsteigen. Seit etwa zehn Jahren ist Tarom Mitglied in der Skyteam-Allianz rund um Air France und KLM. Die Gesellschaft hat sich auch an deren Vielfliegerprogramm Flying Blue angeschlossen.

Die Mitgliedschaft im Bündnis ist für Tarom nicht gewinnbringend und stand schon auf der Kippe. Die großen Carrier können zwar auf das kleine Netz der Airline zugreifen, im Umkehrschluß fehlen Tarom und dem Bukarester Flughafen aber jegliche Langstreckenverbindungen.

Aktuell betreibt die Gesellschaft 29 Flugzeuge, die einem kleinen Gemischtwarenladen gleichen. Darunter sind verschiedene Typen von ATR sowie einige Modelle der 737 von Boeing. Auch das kleinste Mitglied der Airbus 320-Familie ist in der Flotte vertreten, nur wenige Gesellschaften betreiben eine A318. In den Anfängen der 2000er Jahre gab es noch Langstrecken in die USA, diese wurden damals mit Airbus A310 bedient. Die Regierung würde gerne wieder Ziele in Nordamerika oder Asien im Flugplan sehen. Ob das Vorhaben mit den Sparzielen und der jetzigen Lage in der Corona-Krise umgesetzt werden kann ist mehr als fraglich.

Eine neue Lackierung hat sich der Carrier kürzlich dennoch gegönnt. Mit Auslieferung der fabrikneuen, geleasten ATR 72-600 ist die Schwalbe im Logo der Airline etwas größer geworden und zieht sich über den Rumpf. Das Design erinnert im Vergleich an die neue Lackierung von Lufthansa und SAS. Fünf weitere ATR sollen in diesem Jahr noch zur Flotte stoßen, mit den Turboprops möchte man das Durchschnittsalter der Flotte senken. Außerdem müssen auf lange Sicht die Betriebskosten runter um gegen die Lowcoster zu bestehen. Mit der Auslieferung von fünf bestellten Boeing 737 MAX sollen dann die alternden Modelle wie der Airbus A318 ausgeflottet werden.

TAROM Economy Class | Flugdaten

Flugnr.: RO602
Sitz: 1A, Fenster
Kabine: Economy Class
Buchungsart: Prämienticket Skymiles
Abflug (Offiziell): 08:51 (08:35)
Ankunft (Offiziell): 09:47 (09:50)
Reisezeit: 56 Min.
Typ: ATR 72-600 (AT76)
Registrierung: YR-ATJ
Bei TAROM seit: Februar 2020

TAROM Economy Class | Buchung

Buchbar sind die Flüge direkt auf der Homepage oder den üblichen Kanälen wie Expedia. Der Einstiegspreis für den oneway-Tarif liegt bei etwa 58€, Ryanair bietet Tickets ab 15€ ohne Gepäck an. Für mich ist der Flug ein Zubringer zu einer Reise mit KLM, für den Trip habe ich Meilen bei dem amerikanischen Partner Delta eingelöst.

Normalerweise kann man diese Verbindung mit nur einem Zwischenstopp bei Lufthansa buchen, durch die ausgedünnten Flugpläne wurden jetzt zwei Umstiege erforderlich. Der reguläre Tarif liegt bei mehreren Hundert Euro, daher war die Option mit Meilen sehr interessant. Bei Flying Blue hätte meine Wunschverbindung 27.500 Meilen in Economy Class gekostet, bei Skymiles von Delta waren es nur 25.000 in Business Class. Die Nebenkosten liegen bei gut 40€ und sind im Vergleich sehr fair.

Die Buchung mit der Delta App war denkbar einfach, den Online-Service der Amerikaner gehört für mich zu dem besten Produkt aller Airlines. Für die mir noch fehlenden Meilen habe ich Membership Rewards von American Express übertragen, diese waren innerhalb von wenigen Minuten auf meinem Skymiles Konto.

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TAROM Economy Class | Check-In & Boarding

Am kleinen Flughafen Timisoara ist WIZZ der Platzhirsch, der den Westen Rumäniens mit mehreren Flughäfen in Europa -darunter auch einige in Deutschland – verbindet. Neben Tarom steuert nur Lufthansa als klassische Netzwerkairline Timisoara an. Im internationalen Bereich war an diesem Morgen nichts los, alle Schalter und das einzige Café waren geschlossen.

Etwas abgelegen fand ich dann den Check-In für nationale Verbindungen, wo ich sofort an der Reihe war. Die nette Dame hinter der Schutzscheibe stellte mir alle drei Bordkarten für die Reise aus und fragte mich bis wohin sie meinen Koffer durchchecken soll. Ich hatte eine Übernachtung in Amsterdam und bat daher diesen dort ausliefern zu lassen.

Nur wenige Menschen waren an der Sicherheitskontrolle vor mir, entsprechend schnell war ich am Gate. Die kleine Maschine war ausgebucht, immerhin passen über 70 Personen in das Flugzeug. Der kleine Wartebereich war im Laufe der Zeit gut gefüllt. Ein Schild verwies auf eine Business Lounge im ersten Obergeschoss, leider war diese geschlossen. An diesem Tag war nur ein weiterer Inlandsflug geplant, daher scheint sich diese temporär nicht zu lohnen. Einen kleinen Blick konnte ich dennoch in das Interieur werfen. Die Einrichtung wirkt hell und erlaubt einen Blick aufs Vorfeld.

Die ATR 72-600 kam an diesen Morgen schon aus Bukarest und kurze Zeit später wurde der Flug aufgerufen. Alle Passagiere wurden in einen weiteren Raum auf dem Vorfeld gelotst. Als das Flugzeug gereinigt und zum Einsteigen bereit war, konnten so alle zügig boarden.

TAROM Economy Class | Kabine und Service

An Bord erwarteten zwei Stewardessen in Schutzkleidung mit Maske, Visier und Handschuhe ihre Gäste. Die Maschine war in einem sauberen Zustand, das noch junge Alter des Fluggeräts war deutlich erkennbar. Moderne und angenehme LED-Beleuchtung, neue Sitze und ein noch nicht abgenutzter Teppichboden waren die Indizien hierfür.

Die Kabine ist in der ATR in einer 2-2 Bestuhlung angeordnet, der Flug heute wurde in einer reinen Economy-Version durchgeführt. Die Privilegien wie erhöhtes Freigepäck oder Loungezugang wären durch die Buchung im Business-Tarif unter normalen Umständen auch auf diesem Flug anwendbar.

Ein Vorhang in der zweiten Reihe deutete darauf hin, daß bei Bedarf auch auf der ATR eine Business Class angeboten wird. Der Flug war voll, das Handgepäck war durch die großen Fächer dennoch kein Problem. Nach einigen Hinweisen zur Sicherheit ging es auch schon in Richtung Startbahn, der Flug war pünktlich in der Luft.

 

Nach dem Start verteilten die Flugbegleiter Wasser und ein Erfrischungstuch. Es scheint sich zum aktuellen Standart auf kurzen Flügen in Economy Class entwickelt zu haben. Auf Kissen, Decken und Bordmagazin verzichtet der rumänische Carrier zur Zeit, neben der Sicherheitskarte sind Hinweise zum Umgang mit dem Virus in der Sitztasche ausgesteckt.

Überpünktlich sind wir auf dem verregneten Flughafen Otopeni gelandet. Der selbe Bus war zweimal unterwegs um die Passagiere zum Terminal zu bringen was zu etwas längeren Wartezeiten führte. Da bei der ATR bauartbedingt die hinteren Türen zum Ein- und Aussteigen verwendet werden, können die Passagiere der vorderen Reihen als Letztes das Flugzeug verlassen.

TAROM Economy Class | Frankfurtflyer Kommentar

Was erwartet man von einem Inlandsflug in Economy? In Zeiten von Corona wohl „nur“ einen sicheren Transport. Den habe ich bei Tarom in einer modernen Maschine bekommen. Die Airline schneidet sonst bei längeren Flügen auch in Business Class nicht wirklich gut ab, die alten Flugzeuge und der dürftige Service werden häufig kritisiert.

Immerhin bietet der Carrier auf manchen der Schmalrumpfflugzeugen eine echte Business-Bestuhlung an, Passagiere können sich via Hotspot mit dem Entertainment Programm verbinden. Doch das ist trotz der kleinen Flotte kein durchgängiges Produkt. Informationen rund um den Flug wie Loungeöffnungszeiten oder dem genauen Serviceangebot sucht man auf der etwas verstaubten Homepage vergeblich. Meine Erfahrung auf dem etwa einstündigen Inlandsflug war dennoch gut.

 

 

 

Die weiteren Teile des Tripreports findet Ihr hier:

Review: TAROM Economy Class | Temeswar-Bukarest in der ATR 72-600

Review: TAROM Business Lounge Bukarest

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1 Kommentar

  1. Als gebürtiger Rumäne fliege ich manchmal nach Bukarest. Von den Amenities, speziell Lounges, ist es eine Katastrophe. Es gibt keinen Zugang mit Priority Pass, auch nicht mit der Diners Club Vintage, nur als Business Passagier oder als Inhaber gewisser rumän. Kreditkarten. Selbst die kleineren Flughäfen wie Timisoara Cluj sind Mitglieder bei Priority Pass. Positiv hervorzuheben ist dass die umliegenden Hotels beim Bukarester Flughafen allesamt einen kostenlosen Abholservice bieten

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