Rückholaktion – Jetzt kommt die Rechnung

Bedingt durch das Coronavirus organisierte das Auswärtige Amt eine Rückholaktion in gigantischem Rahmen. Über 250.000 Staatsbürger wurden seit Ende März aus ihren Aufenthaltsorten im Ausland nach Deutschland gebracht. Dafür wurden zahlreiche Maschinen unterschiedlichster Gesellschaften gechartert. Dafür bittet das Ministerium jetzt zur Kasse.

Beispiellose Aktion

Tausende Deutsche sitzen zur Zeit noch im Ausland fest, die meisten wurden aber seit dem Ausbruch des Virus schon vor Wochen nach Hause gebracht. Viele waren zum Beginn des Lockdown an beliebten Urlaubsorten wie Marokko, den kanarischen Inseln oder in der Türkei unterwegs. Manche hielten sich in entfernteren Regionen wie Mexiko, Thailand oder in der Südsee auf.

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Mehrere Fluggesellschaften wie Condor, Eurowings oder Lufthansa wurden von der Regierung beauftragt die Reisenden abzuholen. Viele ungewöhnliche Routings und seltene Bilder kamen so zustande. In Barbados befanden sich beispielsweise zeitgleich mehrere Jumbo-Jets der Lufthansa. Hunderte Gäste deren Kreuzfahrt vorzeitig endete, flogen von dort wieder nach Hause.

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Genaue Kosten sind noch unbekannt

Die Betroffenen mussten ihre Daten angeben und ein Formular unterschreiben. Laut Außenminister Heiko Maas wurde darauf auch auf die Kosten hingewiesen, deren Höhe war jedoch nicht bekannt. Das Ministerium hatte in den vergangenen Wochen mit der Aktion und generell mit der Krise viel zu tun, die Rechnungen werden aber gerade erstellt und in Kürze verschickt.

Alleine aufgrund von Gleichbehandlungsgrundsätzen sei der Schritt notwendig. Andere Reisende hatten sich schließlich selbst um ihre Rückkehr gekümmert und diese entsprechend bezahlt. Alle anderen die vom Auswärtigen Amt zurückgeholt wurden, bekommen also Post.

Die Höhe der Kosten richtet sich nach der Entfernung und basiert auf vergleichbaren Durchschnittspreisen für ein Economy-Ticket. Kosten ähnlicher Rückholaktionen anderer EU-Länder dienen laut Auswärtigem Amt ebenfalls als Berechnungsgrundlage. Ob die tatsächlich entstandenen Kosten kostendeckend sind, spielt demnach keine Rolle.

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Rückholaktion – Jetzt kommt die Rechnung | Frankfurtflyer Kommentar

Es hört sich nach einer fairen Sache an. Die Beschränkungen wurden immer restriktiver und viele waren in ihrer Not über die Aktion der Bundesregierung erleichtert. Manche wiederum hatten durch den abgebrochenen Urlaub aber auch Ärger und zum Teil erhebliche Kosten. Eine Rechnung über Flüge könnte bei einigen für Unmut sorgen.

Die Krise und deren Auswirkungen konnte man aber kaum erahnen. Wenn das Schiff nicht mehr fährt, das Hotel schließt und die Flüge gecancelt werden, will man wohl nur noch schnell und gesund nach Hause. Es geht auch um ausgleichende Gerechtigkeit. Konkrete Summen sind noch nicht bekannt, eine Pauschale für Flüge im dreistelligen Eurobereich pro Person scheint realistisch.

 

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9 Kommentare

  1. Nein, viele „stecken nicht fest“. Wir sind mit einigen tausend anderen Ausländern z.B. in Hua Hin freiwilig im Exil und wollen und werden freiwillig hier nicht weg. Die Sichtweise aus Deutschland korreliert nicht unbedingt mit der Sichtweise aus der Ferne und mit der Sichtweise AUF Deutschland.

    • richtig, die meisten, die jetzt noch im Ausland sind, sind dies aus freien Stücken, die sitzen nicht fest, sondern fühlen sich vor Ort besser aufgehoben. Ich hatte zB. das Glück, bei Ausbruch der Krise gerade beruflich in Haifa zu sein und habe mich freiwillig entschieden, zu bleiben, weil ich mich hier kompetenter geschützt fühle.

  2. Die Frage, die sich hier stellt ist, in wieweit die Australien Touristen eine ausreichenden Auslandsreisekrankenversichedung hatten. Ein Krankenhaustag wird sicher ähnlich teuer, wenn nicht teurer kommen als die organisierte Rückholaktion.

    • Das ist ein Interessanter Punkt! Im Normalfall gilt die Versicherung ja nur eine bestimmte Zeit am Stück. Wer einen längerfristigen Aufenthalt plant, braucht i.d.R. eine Zusatzversicherung.
      Das ganze unabhängig vom Reiseland.

      Gruß

      Alex

      • spezifisch für die AKV, die ich habe, kann ich sagen, dass die automatisch unbegrenzt weitergilt, wenn die Rückreise aus Gründen unmöglich wird, die nicht der Reisende zu verantworten hat. Wo es also keine Rückholflüge gegeben hat oder der Reisende den Rückholflug nicht erreichen konnte (in einigen Länder gab es ja komplette Ausgangssperre, sodass man auch nicht zum Flughafen reisen konnte), dort galt die AKV weiter, bis ein Rückflug möglich wird

  3. Solche Aussagen wie von Nuria Josefine machen mich einfach nur noch sprachlos. Es ist niemand gezwungen worden zurück zu fliegen. Ich kann mich aber noch gut an Nachrichtenbeiträge erinnern in denen die Leute die Bundesregierung angefleht haben sie zurück zu holen… Und das soll dann alles umsonst sein? Keiner wurde gezwungen zurück zu kommen (siehe andere Beiträge hier) und es ist dem mündigen Bürger selbst überlassen was er macht. Das man für eine Leistung bezahlen muss die man in Anspruch nimmt ist einfach selbstverständlich.

  4. Aus meiner Sicht: Gut dass die Vollkasko-Mentalität einiger Reisender einen Dämpfer erleidet. Es mag sein, dass wirklich überrascht wurden … in den allermeisten Fällen waren die Leute aber wohl zu naiv/unfähig/dumm, die internationale Entwicklung zu verfolgen … und vor allem zu geizig, die Urlaubsreise im Februar/März (kostenpflichtig) zu stornieren.
    Tja, dann kommt halt manchmal die Rechnung.
    Wenn diese Menschen Stil hätten, würden Sie die im Verhältnis zu den wirklichen Kosten wohl aberwitzig niedrigen Kosten zahlen und froh sein, mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Vermutlich wird es aber viele Schmarotzer geben, die nach Erhalt der Rechnung auch noch die Justiz mit dem Irrsinn belästigen.

    Tipp fürs nächste Mal: Einfach dort bleiben wo man gestrandet ist. Rumjammern (a la den Vögeln auf Teneriffa, die in Quarantäne kamen und dann deutsche Medien vor ihren Jammer-Karren spannten) können die sich von mir aus sparen …
    Am Rande: Ich hatte einen Urlaub nach Indochina geplant und mit Verlust gecancelt. Ohne dass es Reisewarnungen gab (aber Berichte in lokalen Medien). Aber Standardmichel macht das eher nicht. Der jammert lieber.

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