Schockierender Schuldenberg: Lufthansa nur noch mit 3,5% Eigenkapital

A321 Neo AIEA, FRA 22-5-19

Airlines und die gesamte Reisebranche leiden massiv under der Pandemie und auch kerngesunde Unternehmen sind ohne eigenes Verschulden in existenzielle Nöte geraten. Auch die deutsche Lufthansa ist hier keine Ausnahme. Vor der Krise konnte man noch ein Rekordergebnis nach dem anderen einfliegen und hat in den letzten Jahren Milliarden Überschüsse produziert.

Nach nun 15 Monaten Pandemie ist von dem einstigen Erfolg der Lufthansa zumindest finanziell nichts mehr übrig und die Gewinne der letzten Jahre wurden weitestgehend aufgefressen. Mit nur noch 3,5% Eigenkapitalquote hat Lufthansa einen schockierenden Schuldenberg in den letzten Monaten angehäuft, weshalb man sich nun auch die Genehmigung der Aktionäre für eine Kapitalerhöhung eingeholt hat.

Bis zu 5,5 Milliarden Euro neues Eigenkapital darf der Vorstand von Lufthansa nach dem Willen der Aktionäre akquirieren und nach Berichten von Bloomberg peile Lufthansa eine Kapitalerhöhung von etwa 3 Milliarden Euro in der nahen Zukunft an. Die genaue Summe und auch der Zeitplan seien aber von der Marktentwicklung abhängig, was vermuten lässt, dass man mit der Kapitalerhöhung, also der Emission von neuen Aktien, beginnen will, wenn man einige positive Signale in den Markt senden kann, wie zum Beispiel eine deutlich zunehmenden Reiseaktivität in Europa und Nordamerika. Hier entfaltet sich die Wirkung der Impfungen endlich und hierdurch ist Entspannung in Sicht.

Wie sehr die Pandemie der Airline zugesetzt hat sieht man vor allem daran, dass sich Lufthansa zu Beginn der Pandemie im März 2020 noch sehr gut aufgestellt sah und man davon sprach, dass man genügend Liquidität habe, um diese Krise zu überstehen und man habe auch noch Sachwerte im Wert von weit über 10 Milliarden Euro, welche als Sicherheit für Kredite herhalten könnten.

Wie lange man den Zustand des Stillstandes überstehen kann, wollte man damals noch nicht kommentieren, aber man sagte selbstbewusst, dass man es länger könne als fast jeder Mitbewerber. Lufthansa war gesund und liquide. Leider dauerte die Krise nicht nur die vier Wochen, welche man einmal zumindest medial und wohl auch politisch angepeilt hatte und auch 15 Monate später befindet sich die Lufthansa weiterhin im absoluten Krisenmodus, welcher die Resevern des Konzerns nun mehr als aufgezehrt hat.

Mit 1,4 Milliarden Euro Eigenkapital konnte Lufthansa noch eine Eigenkapitalquote von gerade einmal 3,5% Ende 2020 vermelden, womit das Unternehmen von hohen Schulden belastet wird, welche auch in absehbarer Zeit wieder zurück gezahlt werden müssen. Hierbei sind vor allem die staatlichen Hilfen, welche Lufthansa nicht voll abgerufen hat, besonders bedrückend, denn nicht nur dass der Staat hiermit direkten Einfluss auf Lufthansa nehmen kann, die staatlichen Kredite sind auch mit bis zu 9,5% extrem hoch verzinst und damit unverhältnismäßig teuer.

Lufthansa konnte sich auf dem Kapitalmarkt durch mehrere Anleihen deutlich günstiger refinanzieren, was die Liquidität des Unternehmens sichergestellt hat. Die nun anfallende Kapitalerhöhung soll nicht nur die Bilanz und damit auch die Kreditwürdigkeit des Unternehmens steigern, sowie zukünftige Inventionen absichern, sondern auch dazu genutzt werden, die stille Einlage des Bundes abzulösen, denn auch diese muss verzinst werden und ist damit eine belastende Verbindlichkeit von Lufthansa.

Schockierender Schuldenberg: Lufthansa nur noch mit 3,5% Eigenkapital | Frankfurtflyer Kommentar

Es ist absolut beeindruckend, aber auch mehr als schockierend, wie die letzten Monate den Erfolg von Jahren mehr als vernichtet haben. Lufthansa ist binnen einem Jahr von einer sehr soliden Eigenkapitalquote von 24%, auf nur noch 3,5% abgestürzt, was das verheerende Jahr für die Airline sehr gut illustriert und auch in welcher immer noch sehr kritischen Situation man sich befindet.

Damit steht Lufthansa aber auch sinnbildlich für eine ganze Branche, die weit über die Luftfahrt hinaus geht und alleine in Deutschland mehrere Millionen von Menschen beschäftigt. Das letzte Jahr war hier für die gesamte Hospitality Industry eine reine Katastrophe.

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2 Kommentare

    • Wenn das Kapital vorrangig zum Rückzahlen der stillen Einlage genutzt wird, dann ist es wie ein Aktien Rückkaufprogramm und die Anzahl der Aktien verändert sich nicht, was den Kurs sogar stützen würde. Aber mal schauen was da wirklich passiert.

      Wie war das nochmal: Der Markt kann länger irrational handeln, als du Liquide bist.

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