Töchterchen Austrian in Gefahr? Die LowCoster greifen an.

Foto: Austrian Airlines

Am Wiener Flughafen wird es zunehmend enger für die rot-weisse Lufthansa-Tochter Austrian. Mit etwas mehr als 80 Jets ist sie die kleinste und damit angreifbarste Tochter des Lufthansakonzerns. In den Vielfliegerforen airliners.de, sowie im Viefliegertreff wird der wachsende Anteil von Ryanair mit Laudamotion, EasyJet, Wizzair und jetzt neu Vueling in Wien stark diskutiert. Eurowings spielt natürlich auch in Wien mit, als Teil des Konzerns steht diese jedoch erstmal außen vor.

Töchterchen Austrian in Gefahr? | Die Situation

Schon einige Zeit sind die LowCost Airlines EasyJet und Wizzair am Flughafen Wien emsig zu Gange. Mit dem hilfreichen Tool von www.flightsfrom.com habe ich mir schnell eine Übersicht über die aktuellen Flugangebote verschafft um einen Überblick zu geben:

Easyjet

EasyJet fliegt zur Zeit 13 Destinationen an und beschränkt sich auf viele Businessstrecken, beispielsweise nach London, Berlin, Mailand, Genf und Amsterdam. Auf 8 dieser Strecken steht EasyJet in Konkurrenz mit Austrian. EasyJet hat weiteres Wachstum und weitere Strecken bereits angekündigt.

Wizzair
Wizzair fliegt 27 Routen ab Wien, sowohl Metropolen in Europa, als auch einige Warmwasser- und Urlaubsdestinationen. Mit Austrian steht Wizzair hier auf 10 Strecken in Konkurrenz. In Wien hat Wizzair 3 Flugzeuge stationiert. Weitere Strecken werden durch Wizzair möglicherweise im Verlauf dieses Jahres angekündigt.

Ryanair / Laudamotion

Ryanair und Laudamotion fliegen zur Zeit 9 Ziele an, welche fast ausschließlich zu Urlaubsregionen führen und deshalb kaum in Konkurrenz zu Austrian stehen. Ryanair möchte Laudamotion aber schnell heranwachsen lassen, auch wenn aufgrund des Mangels an Flugzeugen zur Zeit alle Strecken ab Zürich gestrichen werden mussten. Laut Aerotelegraph sollen jedoch zeitnah weitere Jets gemietet und zahlreiche Airbus-Jets für Laudamotion bestellt werden.

Vueling
Vueling fliegt derzeit lediglich 4 Ziele an, wobei kein Flugzeug in Wien stationiert ist und steht lediglich auf einer Route in Konkurrenz mit Austrian. Dies wird sich jedoch ab Mitte Juli drastisch ändern, und wird im nächsten Abschnitt detailliert erläutert.

Einige weitere LowCost Airlines sind ebenfalls am Markt, beispielsweise Norwegian, planen aber zur Zeit noch keine Basis in Wien.

 

Töchterchen Austrian in Gefahr? | IAG greift mit Vueling an

Nachdem IAG, also der Konzern um unter anderem British Airways, Iberia und Vueling, nicht den Zuschlag für Niki erhielt, legte man den Plan mit einer Expansion in Österreich nicht zu den Akten. Die bereits für die Übernahme gegründete Tochter Anisec wird ab Mitte Juli mit vier Flugzeugen in Wien direkt die folgenden 14 Ziele (Quelle und Dank an austrianaviation.net) anfliegen:

  • Alicante – 2 Flüge pro Woche
  • Barcelona – 14 Flüge pro Woche
  • Bilbao – 3 Flüge pro Woche
  • Dubrovnik – 4 Flüge pro Woche
  • Ibiza – 3 Flüge pro Woche
  • Larnaca – 3 Flüge pro Woche
  • London LGW – 14 Flüge pro Woche
  • Mailand MXP – 14 Flüge pro Woche
  • Malaga – 3 Flüge pro Woche
  • Olbia – 3 Flüge pro Woche
  • Palma – 7 Flüge pro Woche
  • Paris CDG – 14 Flüge pro Woche
  • Valencia – 2 Flüge pro Woche
  • Venedig – 7 Flüge pro Woche

Jeder dieser Destinationen wird bereits von mindestens einer Airline angeflogen. Anstelle das Netz an Ziele zu erweitern geht IAG also frontal in den Wettbewerb. Bleibt abzuwarten, wer den längsten Atem hat.

Persönlich kann ich Vueling nach zwei Flügen nicht leiden: Der Sitzabstand und der Service der Airline sind unterirdisch. Beim Sitzabstand kann man mit etwas Geld für Abhilfe sorgen, geht aber mal etwas schief, steht man meist auf verlorenem Posten.

 

Töchterchen Austrian in Gefahr? | Wie reagiert die Tochter?

Austrian zeigt sich derzeit noch defensiv. Wie Carsten Spohr verlauten ließ, steht Austrian schon länger finanziell auf etwas wackligen Beinen und generiert den geringsten Profit im Verhältnis zum Flottenanteil. Während also Austrian laut Spohr aktuell auf Sparflamme fährt und seine Langstreckenflotte nicht erneuert, kündigen nun nahezu wöchentlich die großen LowCost Airlines neue Routen ab dem Flughafen in Wien an.

Interview Carsten Spohr:

Austrian Airlines (OS, Vienna) will not renew its wide-body fleet in the near future as the carrier’s financial situation does not allow for such an investment, the CEO of parent Lufthansa Group Carsten Spohr has told Air Transport World.
„10% of our [Lufthansa Group] aircraft are based in Austria, but only 4% of the group’s profit is generated there. The refinancing for a new intercontinental fleet for Austrian is unaffordable right now,“ Spohr has said, adding that the Vienna-based unit is yet to realise the full potential of the existing fleet (Quelle: ch-aviation.com)

Töchterchen Austrian in Gefahr? | Die Folgen?

Wie könnten die Folgen aussehen? Auf der Kurzstrecke wird Austrian zunehmend in den Preiskampf gehen müssen oder deutliche Verluste bei Passagiere im europäischen Point-to-Point hinnehmen müssen. So oder so wird die Rentabilität der oftmals sowieso wenig rentablen Kurzstrecken weiter leiden und Austrian in Bedrängnis, oder gar zur Flugstreichungen bewegen.

Erstaunt bin ich jedoch erneut, dass die Monopolstrecken des Lufthansakonzerns, insbesondere Wien-Frankfurt und Wien-Zürich unangetastet bleiben. Schätzungsweise wird es für solche Streckenankündigungen seitens der Flughäfen keine Freigabe für Slots geben, was ich für hochgradig bedenklich halte. Einen anderen Grund kann ich mir für den Erhalt der Hochpreisstrecken zwischen den Lufthansa-Group-Hubs Zürich, Frankfurt, München und Wien nicht vorstellen.

Zusätzlich kündigt Spohr an, dass die Langstreckenflotte von Austrian nicht erneuert wird, während zeitgleich Swiss und Lufthansa (neue Business Class und Aufwertung der aktuellen Business) mit neuen Produkten um sich werben, und sogar Eurowings eine Business Class einführt. Welchen Grund sollten also insbesondere Umsteigepassagiere aus Europa noch haben Austrian zu wählen, wenn bei vergleichbaren Flugzeiten und Preisen, aber besseren Produkten Swiss und Lufthansa aus dem eigenen Hause Spalier stehen.

Meiner Meinung nach könnte Austrian auf mittelfristige Sicht ein ähnliches Schicksal wie Brussels Airlines erfolgen, welche schon bald unter Eurowingsflagge fliegen wird. Dies hätte zur Folge, dass ein weiterer Legacy Carrier aus dem europäischen Markt verschwindet und sich der Flugmarkt weiter konzentriert.

In jedem Fall sollte sich Austrian Airlines etwas einfallen lassen, denn nur eine neue Lackierung wird die Airline sicher nicht vor dem Untergang bewahren können.

 

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