Turkish Airlines benötigt Milliardenhilfe vom Staat

Nicht unerwartet leidet auch Turkish Airlines durch die Coronakrise. Die gesamte Flotte der Türken bleibt seit Wochen am Boden. Während für Mitte Juni 2020 ein langsames Wiederaufleben des Flugverkehrs geplant ist, wird klar: Auch Turkish Airlines wird die Krise kaum ohne staatliche Hilfe überstehen. Insbesondere der hohe Anteil an geleasten Flugzeugen in der Flotte erfordert staatliche Unterstützung in Milliardenhöhe.

Turkish Airlines benötigt Milliardenhilfe vom Staat | Geleaste Flotte

Einer der wesentlichen Faktoren, die für die schwierige Lage bei Turkish Airlines verantwortlich ist, liegt in der Zusammenstellung der Flotte. Derzeit verfügt Turkish inklusive des Cargo Bereichs über 350 Flugzeuge. Allerdings sind nur 44 Flugzeuge davon Eigentum des Unternehmens. 219 Fluggeräte sind nur geleast und die restlichen werden saisonal im Wet-Lease durch andere Betreiber zur Verfügung gestellt.

Laut einem Bericht von Handelsblatt.com weist Turkish Airlines allein durch Leasingkosten kurzfristige Verbindlichkeiten in Höhe von 1,4 Mrd. Euro aus. 1,138 Mrd. Euro davon seien allein in diesem Jahr fällig.

Die Auftragsbücher von Boeing und Airbus sind mit Bestellungen von Turkish Airlines gut gefüllt. Bis Ende des Jahres waren 13 und bis 2024 sogar 125 neue Flugzeuge für die eigene Flotte geplant. Darunter allein 92 A321neo und 25 A350-900 des Flugzeugbauers Airbus. Bei Boeing hat man immerhin 25 Dreamliner bestellt. Ob und in welcher Größenordnung Turkish Airlines die bestellten Flugzeuge nun abnehmen wird, steht derweil in den Sternen. Eine Reduzierung der Leasingkosten wird sich also zunächst mal nur geringfügig bei der wirtschaftlichen Gesamtsituation der Fluggesellschaft auswirken.

Airbus A330 von Turkish Airlines.

Turkish Airlines benötigt Milliardenhilfe | Staatskredit statt Subvention

Doch nicht nur die hohen Leasingkosten bringen Turkish Airlines in Bedrängnis. Personalkosten in Höhe von 2 Mrd. Euro und mindestens eine Mrd. Euro, die wegen ausgefallener Flüge, an Kunden zurück gezahlt werden müssen, machen die Situation noch prekärer. Die Geldreserven bei Turkish Airlines werden auf 2,5 Mrd. Euro geschätzt. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten übersteigen diese schon jetzt deutlich.

Auch wenn nicht viel seitens Turkish Airlines nach außen dringt, so steht ihr Präsident Ilker Ayci einem Staatskredit offen gegenüber. Einer Subvention erteilt er jedoch eine Absage.

Turkish Airlines benötigt Milliardenhilfe | Hoffnung

Für Turkish Airlines gibt es jedoch gleich mehrere Hoffnungsschimmer. So hat die Airline bereits jetzt einen „Normalisierungsflugplan“ für Mitte Juni 2020 veröffentlicht. Wie viele andere Luftfahrtgesellschaften geht auch Turkish Airlines davon aus, dass sich die Grenzen in wenigen Wochen wieder sukzessive öffnen. Vor dem Hintergrund stehen bereits wieder 23 Reiseziele in 19 Ländern auf dem Flugplan. Darunter auch Deutschland.

Ein weiterer Lichtblick: Rund 40% des Passagieraufkommens bei Turkish Airlines stammt aus Inlands-Flugverkehr. Immerhin 30,4 Mio. Menschen reisen jährlich innerhalb der Türkei mit der halbstaatlichen Fluggesellschaft. Und Inlandsreisen sind sogar schon ab Ende Mai wieder erlaubt.

Ebenfalls Geld in die Kassen spülte auch während der Coronakrise der Cargo-Bereich der Türken. Während der Coronakrise wurden tausende Tonnen Medizin und Equipment von Turkish Airlines befördert. Zahlreiche Länder haben hier auf die Unterstützung aus der Türkei gezahlt. Das brachte nicht nur liquide Mittel, sondern poliert gleichzeitig auch das Image der Türkei auf.

Turkish Airlines benötigt Milliardenhilfe | Frankfurtflyer Kommentar

Lufthansa, Air France/KLM, TAP… Turkish Airlines muss sich leider in die Liste der Fluggesellschaften einreihen, die sich nicht selbst aus der Coronakrise retten können. Spannenderweise kamen die Informationen zur wirtschaftlichen Situation von Turkish Airlines nur sehr spät und zögerlich an die Öffentlichkeit. Während andere Fluggesellschaften schon konkrete Zusagen vom Staat haben, startet bei den Türken erst die Diskussion.

Auch Interessant: Obwohl Turkish Airlines eine teilstaatliche Airline ist und sie sich außer halb des EU-Raums bewegt, ist keine Rede von Subventionen. Die Rettung soll stattdessen durch staatliche Kredite erfolgen.

Quelle: handelsblatt.com

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7 Kommentare

  1. Etwas früher MUC-IST-CPT rt.
    Bin auch gespannt. Kommt sogar einem Flex-Ticket nahe (200€ Stornierungsgebühr), aber ob das was zu bedeuten hat? Wer weiß. Fliegen wäre sowieso viel besser als stornieren.

    • 2×450€ – 1 Jahr im voraus gebucht mit Gepäck für STR ein super Preis, aber Travelgenio und die buchen über Sabre, wo du nicht mal einen sauberen PNR mit alle Gästen und eticketnummern bekommst…. wäre mein erste TK Flug

  2. Würdet ihr jetzt ein TK Flug (Business Class) für Dezember buchen? Besteht die Gefahr einer Insolvenz? Aktuell wird ja sogar bei TG über eine Insolvenz diskutiert.

    • Turkish Airlines ist ja heute schon eine teilstaatliche Airline. Daher ist es unwahrscheinlich, dass der Staat nicht weiter investiert.

      Darüber hinaus ist der innertürkische Flugverkehr extrem wichtig für das Land. Das Land braucht also eine funktionierende Airline.

      Das Risiko einer Insolvenz ist damit zwar nicht vom Tisch, aber doch eher unwahrscheinlich.

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