Vorwürfe im US Senat: Boeing soll Simulatortests bei der Boeing 737MAX manipuliert haben

Boeing 737-Max-8.

Die Boeing 737MAX ist wohl das größte Debakel, welches Boeing je erlebt hat und dabei könnte es sich für den Flugzeugbauer nun auch noch zu einem handfesten Skandal entwickeln, welcher sogar strafrechtliche Konsequenzen haben könnte, denn es ist durchaus denkbar, dass einzelne Personen von der Problematik bei der Boeing 737MAX wussten und dies versucht haben zu vertuschen.

In dem Sonderausschuss des US Senats zum Fall der Boeing 737MAX, wird nun der Vorwurf laut, dass Boeing mindestens einen oder sogar mehrere Simulatortests manipuliert haben könnte, um die Sicherheit des Flugzeuges zu demonstrieren und so das Grounding zu vermeiden oder aufzuheben.

Zentrum aller Vorwürfe ist weiterhin das MCAS, ein System, welches den Pilot in besonderen Flugzuständen unterstützen soll, um ein Aufbäumen des Flugzeuges bei einem schnellen Gasstoß zu vermeiden. Während solche Systeme in modernen Flugzeugen absolut nicht unüblich sind, konnte das MCAS aber sogar die Piloten übersteuern und war vor massiven Änderungen auch anfällig für Fehler, wenn die Messdaten von Sensoren nicht stimmten.

Bei beiden fatalen Abstürzen der Boeing 737MAX im Jahr 2019, steht das MCAS inzwischen im dringenden Verdacht, maßgeblich die Abstürze verursacht zu haben, insbesondere auch, da die Piloten nicht ausreichend (oder sogar gar nicht) über das System und dessen Wirkungsweise informiert wurden. Daher hat Boeing inzwischen bei der Software und der Schulung der Piloten massive Veränderungen vorgenommen, mit welchen man das Flugzeug nun in den USA und Canada, sowie einer Reihe von anderen Ländern wieder zulassen konnte. Man erwartet auch die Wiederzulassung in Europa in den kommenden Monaten.

Manipulation bei Simulatortests

Pikant ist der Vorwurf, dass Boeing die Probleme des MCAS mit Simulatortests versucht haben soll, aus den Weg zu schaffen. Hierbei wurden Flugzustände simuliert, bei welchen das MCAS eingreift und die Piloten mussten das Flugzeug wieder unter Kontrolle bringen. Die Testpiloten von Boeing schafften dies wohl binnen vier Sekunden, womit sowohl der Absturz von Lion Air, als auch der Ethiopian Airlines Absturz hätte verhindert werden können. Allerdings wurden die Piloten bei diesen Tests explizit auf die Situation vorbereitet und auch darauf, wie man das MCAS ausschaltet.

Man hat mit diesen Tests versucht zu beweisen, dass das Flugzeug sicher ist und die Situation bei beiden Abstürzen problemlos hätte unter Kontrolle gebracht werden können. Das Fazit sollte hierbei wohl vor allem einen Pilotenfehler als wahrscheinliche Ursache für die Abstürze hervorbringen, wegen mangelndem Training der Piloten.

Wirklich spektakulär wird es aber wenn man im Untersuchungsbericht ließt, dass diese Tests sowohl von Boeing, als auch der FAA so durchgeführt wurden, was eine Mitschuld der FAA und sehr fragwürdige Prozesse aufwirft.

Zitat aus dem Untersuchungsbericht des US-Senats:

Es sieht sehr danach aus, dass Boeing und FAA versucht haben, wichtige Faktoren bei den 737-MAX-Tragödien zu vertuschen.

Vorwürfe im US Senat: Boeing soll Simulatortests bei der Boeing 737MAX manipuliert haben | Frankfurtflyer Kommentar

Auch wenn die Boeing 737MAX nun endlich wieder fliegen darf und die ersten Linienflüge mit Passagieren wieder sattgefunden haben, ist das Problem noch lange nicht ausgestanden für Boeing und die FAA. Hier wurden in der Vergangenheit zu viele Fehler gemacht und auch teils bewusst versucht, diese anschließend zu vertuschen. Gerade in der auf Sicherheit fokussierten Luftfahrt ein absolut inakzeptabler Vorgang.

Besonders problematisch ist diese Berichterstattung nun auch für das Vertrauen der Passagiere in das Flugzeug, denn auch wenn dieses nun wieder sicher ist, wir gerade der Skandal nicht dazu führen, dass sich die Passagiere wohler fühlen.

Danke: aero.de

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14 Kommentare

  1. Christoph,

    würdest Du a)einsteigen und wenn ja b) dich mitvdem gleichen Gefühl wie sonst fliegen?
    Muss ehrlich zugeben das ich a) bei der Buchung den Flugzeugtyp „max“ vermeiden würde und bei einem Flugzeugwechsel b) eine Umbuchung ggf in die Betrachtung nehmen würde.
    Wie denkt die community darüber?

    • Ich würde tatsächlich mit der 737MAX fliegen und mich hierbei sicher fühlen. Inzwischen darf man davon ausgehen, dass das Flugzeug ausgiebiger getestet wurde als andere Typen und auch die Piloten werden sehr gut trainiert.

      Ich verstehe, wenn man bei der Vorgeschichte sorgen hat, aber halte es wie meine Oma: „der da vorne will doch auch wieder runter!“.

      Man legt bei einem Flug, egal mit welchem Flugzeug, sein Leben in die Verantwortung von anderen und hier vertraue ich darauf, dass alle verantwortlichen nach besten Wissen und gewissen handeln. Ein Pilot der sich mit der MAX unsicher fühlt, würde diese wohl hoffentlich nicht fliegen.

        • Bei der Sicherheitsphilosophie von Boeing, würde ich in gar keine Boeing mehr einsteigen. Man hätte das komplette Unternehmen grounden sollen. Aber wurde nicht eine einzige Person verhaftet. Schade, das wäre mal ne Chance gewesen zu zeigen, das Handlungen Konsequenzen haben…

      • Es ist recht bedeutungslos ob der Pilot sich sicher fühlt wenn man ihm wichtige Funktionen und Details über das Flugzeug das er fliegt verschwiegen hat um die Schulungskosten zu sparen …

        • Ich gehe davon aus, dass der Pilot, welcher das Flugzeug fliegt, die Situation besser beurteilen kann als ich, der nur über das Flugzeug und vergangene Unzulänglichkeiten, auch in der Ausbildung der Piloten (welche auf eine dramatische Fehleinschätzung zurück geht), gelesen hat. Ich muss bei jedem Flug, egal mit welchem Flugzeug der Person, welche das Flugzeug führt vertrauen. Selbes trifft auch auf Schiffe, Autos, Busse oder Ärzte zu.

          Und ich habe auch das vertrauen, dass man nach diesem Skandal massiv gelernt hat. Jeder darf das natürlich anders sehen.

    • Würde bedenkenlos einsteigen. Nicht nur wegen der sicher gründlichen Tests.
      Es geht auch um die allgemeine Sicherheit, die wir so gern unterschätzen.

      Vor einiger Zeit gab es einmal eine Fernsehserie zu AC aus Pilotensicht.
      Eine Serie begann im Cockpit mit der Aussage „Der Pilot hat jetzt den mit Abstand gefährlichsten Teil seiner Reise bereits hinter sich: die Anfahrt zum Flughafen.“

    • Man kann wieder bedenkenlos in die MAX einsteigen – aber erst in 2 Jahren, wenn die umfangreichen Hardware-Nachruestungen auch umgesetzt worden sind.

      Im Moment darf die MAX temporaer mit nur Software-Verbesserungen und umfangreicherem Piloten-Training wieder in Betrieb genommen werden.
      Dies ist aber aus Ingenieurssicht zu wenig!

      Also am besten noch abwarten. Innerhalb Europas kommt man zum Glueck ganz gut drumherum (einfach TuiFly, RyanAir, Norwegian und Turkish meiden).

      Aber generell gilt auch was Rainer Haeßner gesagt hat, Bodentransport ist deutlich gefaehrlicher, insbesondere in Suedostasien, Afrika, Lateinamerika.
      Obendrauf gibt es durch Corona auch noch andere Faktoren: Gesteigerte Armutskriminalitaet in vielen Laendern ohne soziales Netz, unentdeckte Standschaeden an Flugzeugen die laenger nicht im Betrieb waren (ganz gleich welcher Flugzeugtyp).

      • Also ich bin Ingenieur und alles was ich bisher gesehen hat, sieht für mich so aus, als ob eine MAX nach den Nachrüstungen, ohne welche sie nicht wieder fliegen darf, sicher ist.

        Es ist mir neu, dass es in zwei Jahren massive Hardware Anpassungen geben soll und Flugzeuge vorher schon wieder fliegen dürften.

        • Die EASA sowie Transport Canada bestanden eigentlich auf 3 AoA-Sensoren, „geeinigt“ hat man sich (wenn ich mich recht entsinne) auf das unabhängig funktionierende „Synthetic Airspeed“-System, welches bereits in der B787 eingesetzt wird.

          Das Ganze muss spätestens zur Zulassung der B737-10 verfügbar sein – und ich meine, Nachrüstungen sind dann auch vorgeschrieben.

          Nebenbei: in Kanada ist die B737 Max noch nicht wieder zugelassen. Der zuständige Minister hat zwar die Änderungen genehmigt, Transport Canada wird jedoch voraussichtlich jetzt im Januar die genauen Anweisungen vorgeben.

  2. Wenn die Piloten das System nicht zu 100 Prozent kennen ,können sie auch bei Gefahr nicht sicher reagieren.Wie kann ich sicher sein das dieser Type von Flugzeug wirklich mich sicher nach Ort b mich bring,deshalb fliege ich lieber mit einer anderen Maschine. Das überhaupt so fahrlässig mit der Sicherheit von Flugzeugen umgegangen wurde und die US Sicherheitsbehörden hier mitgespielt haben ist unverzeilich. Boing hätte besser ein neues Flugzeug konstruiert

  3. 737 Max? Nein Dankeschön. Ein 52Jahre alter fliegender Schrotthaufen gehört auf den Müll. Boeing demontiert sich selber. 737 Max Problem. 787 Dreamliner mutiert zum Albtraumliner.

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