Wie ein Airberlin-Flug mein Leben veränderte

Abseits von Reviews und Nachrichten aus der Luftfahrt-Branche geben wir Euch gerne ab und an einen Einblick in unser Privatleben. Natürlich genau dann, wenn unsere Liebe zum Fliegen auf unser Privatleben trifft. In dieser wahren Geschichte geht es darum, wie ein verkorkster Mileage-Run dazu führte, dass ich die Liebe meines Lebens kennen lernte. Und auch nur, weil viele kleine Wendungen dazu führten, dass das was sein sollte, seinen Weg gefunden hat. Zumindest im zweiten Anlauf.

Wie ein Airberlin-Flug mein Leben veränderte | Prolog

Den Ursprung dieser Geschichte hatte damals einer der vielen Airberlin Topbonus Mileage Runs. Auf dem Weg zu meinem ersten Vielflieger-Status hatte ich herausgefunden, dass Airberlin Flüge zwischen Köln und Zürich nicht direkt sondern über ungewöhnliche Zwischenstopps anbot. So warf die Flug-Suchmaschine regelmäßig Flüge über die Kanarischen Inseln aus. Damals bin ich für die letzten fehlenden Meilen zum Gold-Status zunächst von Düsseldorf nach Zürich und einen Tag später dann von Zürich über Teneriffa nach Köln geflogen. Das war am 4./5. Dezember 2015. Dass ich damals die erste Chance verpasste, die Liebe meines Lebens kennen zulernen, erfuhr ich erst viel viel später.

Damals gab es ja noch keinen Klimawandel.

Wie ein Airberlin-Flug mein Leben veränderte | Irgendwann im März 2017

Und solch ein Trip stand auch am 12. März 2017 wieder an. Mit dem kleinen Unterschied, dass ich diesmal über Lanzarote fliegen wollte. Über Airberlin wurde mir die Route Köln/Bonn – Lanzarote – Zürich – Düsseldorf als Tagestrip zwar angezeigt, sie war aber nicht buchbar. Daher war meine letzte Chance das Online-Reisebüro Opodo, wo die Buchung auch klappte. Leider übersah ich dabei, dass mein Rückflug nicht am Sonntagnachmittag sondern erst für den folgenden Tag gebucht war.

Im Gegensatz zu den vielen anderen Bekannten der Reisegruppe „Mileage Run“, die mit mir auf Tour gehen sollten. Denn Dirk, Georg, Matthias und co. waren alle auf einem Tagestrip gebucht und sollten spätestens am Sonntagabend wieder in Deutschland landen.

Mir war klar: Jetzt noch ein zusätzliches Hotel in Zürich buchen, macht den Trip zu einem weniger lukrativen Spaß. Ich verabschiedete mich daher von diesem Trip und schrieb die rund 150 Euro für das Ticket in den Wind. In der Folgewoche hatte ich ja schließlich eine erneute Chance und man kann seinen Sonntag ja schließlich auch besser nutzen… Dachte ich mir zu diesem Zeitpunkt.

Leider trieb mich dann doch irgendwann mein schlechtes Gewissen, denn ich hatte Dirk, einem meiner Reisebegleiter, schon vorher etwas versprochen. Ich wollte  ihn mit dem Auto zum Flughafen Köln/Bonn mitnehmen. Die Gewissensbisse wurden dann irgendwann so stark, dass ich für 99 Schweizer Franken ein Zimmer in den Swiss Star Apartments am Flughafen Zürich buchte. Die vermutlich edelste Absteige rund um den gesamten Flughafen Zürich… nicht.

Zu diesem Zeitpunkt freute sich eine Airberlin Flugbegleiterin auf einen voraussichtlich freien Tag, da ihr Dienstplan ein „Standby“ anzeigte.

Wie ein Airberlin-Flug mein Leben veränderte | Sonntag, 12.03.2017, 02:00 – 04:00 Uhr

Um kurz vor 2:00 Uhr morgens klingelte an jenem Sonntag mein Handy. Dirk war an meiner Wohnung im Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort angekommen und wir organisierten uns ein Auto (ich weiß Stand heute tatsächlich nicht mehr ob wir mit Car2Go oder mit meinem Auto gefahren sind). Unser Boarding sollte um 3:25 Uhr stattfinden, also um diese Uhrzeit noch extrem viel Zeit für die Anreise zum Flughafen Köln/Bonn.

Am Flughafen angekommen, stellten wir dann auch das Auto ab und gingen durch die Sicherheitskontrolle. In dieser frühen Morgenstunde und mit Fast-Track zum Glück nur eine Sache von wenigen Minuten. Die Zeit bis zum Boarding verbrachten wir wie üblich in einer der exklusivsten Lounges, die es seiner Zeit weltweit gab… dem „exklusiven“ Airberlin Wartebereich. Wie immer freute ich mich dort auf einen Milchkaffee, um wie immer enttäuscht zu werden. Denn der Milchtank mal wieder leer.

Etwa zu diesem Zeitpunkt klingelte der Airberlin Crew Contact eine Flugbegleiterin aus ihrer Nachtruhe und beendete ihre Hoffnung auf einen freien Tag.

Wie ein Airberlin-Flug mein Leben veränderte | Sonntag, 12.03.2017, 04:00 – 07:15 Uhr

Gebucht waren wir auf dem Airberlin Flug AB2316 (operated by TUIfly… Yippieh!). Meine Vorfreude auf den Flug in einer der alten TUIfly 737-Möhren war in etwa so groß, wie auf einen Pegasus Airlines-Flug. Insbesondere, da auf Grund meiner späten Buchung kein Platz mehr in der Exitrow frei war. Stattdessen war ich auf 2D gebucht.

Doch zu meinem Glück nutzte einer meiner Mitstreiter einen Business Class Upgrade-Voucher, um sich die vier Stunden Flugzeit in Reihe 1 zu versüßen. Ich sah meine Chance kommen und wollte mich beim Boarding um einen neuen Sitzplatz bemühen. Das Service-Personal am Gate war aber entweder nicht befugt oder nicht gut genug bemüht, mir einen neuen Platz in der Exitrow zuzuordnen.

Daher fragte ich freundlich, bei der TUIfly Purserin. Die war aber scheinbar ebenfalls aus dem Standby gerufen worden, denn statt einem Status-Kunden diesen Wunsch zu erfüllen, wurde ich unfreundlich abgewiesen. Der Ansatz Ihr die Airberlin Regularien für solche Fälle zu erklären, war wohl keine so gute Idee. Denn das folgende Gespräch zerstörte dann unsere gemeinsame Chemie, wenn sie denn mal da war, vollständig. Ich schaltete dann selbst auch ziemlich schnell von freundlich auf „unruly“ (zumindest in meinem Kopf). Meine Antwort auf die freundliche Behandlung war trotzdem statt in der Exitrow zu sitzen, dort lieber über längere Zeit bei all den anderen Bekannten zu stehen. Zu Lasten der Fluggäste, die ernsthaft daran dachten, etwas schlafen zu können.

Etwa zur gleichen Zeit flog eine mindestens genauso motivierte Airberlin Flugbegleiterin von Zürich in Richtung Lanzarote.

Ein letztes Selfie von der Terrasse der Lounge in Lanzarote.

Wie ein Airberlin-Flug mein Leben veränderte | Sonntag, 12.03.2017, 07:15 – 10:20 Uhr

Auch dieser nicht ganz optimale Auftakt für einen Mileage-Run ging vorbei und wir landeten um kurz nach 07:00 Uhr auf Lanzarote. Doch statt direkt in die Lounge zu stolpern, belagerten wir den von einer Fremdfirma beauftragten Airberlin-Ticketschalter. Es galt immerhin noch für vier Leute einen Business Class Voucher für den anstehenden Flug nach Zürich einzulösen. Claudia kannte uns schon und war mittlerweile in der Einlösung von Upgrade-Vouchern geübt. Bevor wir durch die Sicherheitskontrolle gingen, erfuhren wir noch, dass der Ticket-Schalter sehr bald für immer geschlossen würde. Wir kündigten unsere Rückkehr am nächsten Sonntag an, um uns standesgemäß zu verabschieden.

Der Lounge-Drache der Sala Guacimeta Lounge arbeitete effizient wie immer. Pro Gast mit Airberlin-Statuskärtchen dauerte es etwa zehn Minuten für den Checkin-Prozess. Da das gastronomische Angebot dort eher dürftig war, ließ sich so zumindest etwas Wartezeit verbringen. Den Rest der Zeit tat es dann auch ein Gin Tonic auf der Terrasse der Lounge.

Etwa zu diesem Zeitpunkt dürfte der Nervenzustand einer Airberlin Flugbegleiterin stark am Rande des Verkraftbaren gewesen sein. Denn statt der ursprünglich erwarteten null Business Class Passagiere standen plötzlich vier gebuchte Gäste auf der Passagierliste. Statt chillen, also Arbeit für die Purserin.

Die Reisegruppe „Mileage Run“ machte sich erst kurz vor knapp auf zum Boarding. Nicht weil es ihr in der Lounge so gut gefallen hätte, sondern mit dem selbstgefälligen Anspruch, dass eine derartig große Gruppe Status-Gäste wohl kaum am Gate stehen gelassen würde (war dumm, weiß ich).

Die Bordkarte vom Flug AB2089 hängt immer noch an meiner Tür.

Wie ein Airberlin-Flug mein Leben veränderte | Sonntag, 12.03.2017, 10:20 – 15:20 Uhr

Ich hatte bei früheren Flügen schon alle meine Upgrade-Voucher für die Business-Class verbraucht. Daher blieb für mich auf dem Flug AB2089 nur der Platz 13C in der Exitrow. Was heißt „nur“, ich durfte endlich mal wieder in der Exitrow sitzen. Zu mir gesellte sich auf 13A ein Bekannter, der zwar in der Business Class gebucht war, aber lieber mit mehr Beinfreiheit sitzen wollte.

Und so kam es dann, dass die Purserin für die Aufnahme der Essens- und Getränke-Wünsche noch vor dem Start bis in Reihe 13 dackeln musste. Meine Chance als wohl geschätzter „Platarsch“ (abfällige Bezeichnung für einen Airberlin Top-Tier-Statusgast) eine Pre-Departure Currywurst zu bestellen. Pre-Departure natürlich im Sinne von „vor dem Start bestellen“ und nicht „vor dem Start essen“. Das Sprichwort „wenn Blicke töten könnten“ bekam in diesem Moment für mich ganz neue Dimensionen. Ich wusste echt nicht, was ich falsch gemacht hatte. Der Blick, den ich bei dieser Bestellung kassiert hatte, hatte mich aber so eingeschüchtert, dass ich ganz klein in meinem Sitz geworden war.

Ich bekam zwar irgendwann meine Currywurst, die servierte mir jedoch eine ihrer Kolleginnen. Immer noch ziemlich eingeschüchtert, nutzte ich das reichhaltige „buy on board“-Sortiment an alkoholischen Getränken. Was nicht so einfach war, mit vier Maximierern in der Business Class. Ich durfte also Reste trinken (unter anderem Scavi & Ray Rose).

Irgendwann nach meiner Currywurst und als mein Sitznachbar eingeschlafen war, traute ich mich endlich wieder in den vorderen Teil des Flugzeugs. Ich setzte mich zu den anderen Jungs. Während wir uns so einige Späße erlaubten (und weiter tranken), blockte mein guter Freund Georg von Sitz 1C aus den Rest des Fluges die Purserin, die nicht einmal zu einer Mittagspause kam. Was die beiden auf Russisch alles besprochen haben, wurde bis heute nicht vollständig überliefert.

Was keiner Überlieferung bedurfte, dass sich Georg einen Scherz erlaubte. Er beauftragte die Purserin damit, mich zurück auf meinen eigenen Sitz zu schicken. Das war eine kleine Anspielung auf meine Diskussion auf dem vorherigen Flug. Und ja er genoss es, weil er dazu noch wusste, dass sie mir gefällt.

Beim Aussteigen in Zürich fasste ich dann meinen Mut zusammen und fragte die Purserin, ob sie denn nächste Woche wieder auf dem gleichen Flug sei. Und da kassierte ich den nächsten Schlag. Statt einem „ja“ oder „leider nein“, war die Antwort „Dein Bekannter hat schon meine Telefonnummer“. Wie ein begossener Pudel trottete ich über die Fluggastbrücke ins Terminal.

Belair Flugzeugmodell vor Airberlin Zeiten.

Wie ein Airberlin-Flug mein Leben veränderte |Sonntag, 12.03.2017, 15:20 – nachts

Als ich mein Handy innerhalb des Terminals wieder einschaltete, erinnerte mich Facebook an eine neue Freundschaftsanfrage. Die Frau, die mir gerade eine Abfuhr erteilt hatte, hatte mich auf Facebook hinzugefügt… ja, Datenschutz wurde damals noch nicht so groß geschrieben.

Und nur wenige Minute später sendete mir Georg dann auch per Whattsapp den Screenshot einer Topbonus-Anmeldekarte mit der Notiz „Lena“ und einer Schweizer Mobilnummer.

Während wir zunächst über Facebook und dann später über WhattsApp bis in die Nacht Nachrichten austauschten, erkundete ich an diesem Nachmittag Zürich.

Zu diesem Zeitpunkt musste eine Airberlin Purserin Überstunden schieben und einen Rapport schreiben. Denn der hohe Verbrauch an nicht bezahlten Getränken musste ja mit Schweizer Gründlichkeit irgendwie erklärt werden.

Wie ein Airberlin-Flug mein Leben veränderte | Montag, 13.03.2017

Am Folgetag war für sie Schulungstag angesagt. Das war eine gute Gelegenheit zumindest für ein kurzes Treffen am Flughafen Zürich, wozu wir uns auch vorab verabredeten. Für die Mittagspause hatten wir uns zu einer Tasse Kaffee, einer Dose Red Bull und einem ersten echten Kennenlernen getroffen.

Ehe ich endgültig meine Heimreise nach Düsseldorf antrat, passierte noch etwas kurioses. Als wäre dieser Trip nicht schon verrückt genug verlaufen, machte ich beim Boarding meines Heimflugs nach Düsseldorf noch eine unerwartete Begegnung. Der Typ, der neben mir beim Gate auf das Prio-Boarding lauerte, kam mir ziemlich bekannt vor. Als er die Bordkarte auf den Scanner legte, leuchtete der Name „Hunold J“ im Display auf. Ohne diese Bestätigung wäre ich nie 100% sicher gewesen, dass da der ehemaligen Airberlin CEO Joachim Hunold vor mir an Bord gegangen ist.

Auf dem Flughafen Fuerteventura kurz vor dem letzten Belair Flug für immer.

Wie ein Airberlin-Flug mein Leben veränderte | Epilog

Unser nächstes Treffen fand dann wirklich direkt am folgenden Sonntag statt. Ich hatte den Flug ja bereits gebucht und sie musste lediglich mit einem Kollegen tauschen. Daraufhin lernten wir uns besser kennen und trafen uns immer häufiger. Mal in Düsseldorf, dann wieder in der Schweiz und regelmäßig auch auf Mallorca.

Am 12. März 2020 jährte sich der Tag unseres Kennenlernens nun zum dritten Mal. Unsere gemeinsame Airberlin-Zeit war kurz aber intensiv. Unzählige Male bin ich früher in den Feierabend gegangen und zu ihrem Overnight nach Palma de Mallorca geflogen. Dort haben wir meist bis tief in die Nacht mit der Crew gefeiert, um total verkatert am nächsten Morgen wieder direkt ins Büro zu torkeln.

Das Ende der Fliegerei war für uns mit dem Niki operated by Belair Flug HG3205 am 28. Oktober 2017 von Fuerteventura nach Zürich besiegelt. Als Airberlin schon einen Tag lang Geschichte war, machten sich an jenem 28. Oktober noch einige Crews, wie üblich in Airberlin-Uniform, ein letztes Mal auf den Weg, um auch den Schweizer Airberlin Ableger Belair zu Grabe zu tragen. Aber das ist eine andere spannende Geschichte.

Als wir dann irgendwann meine Flug-Historie und ihren Dienstplan übereinander legten, stellten wir fest, dass wir bereits am 5. Dezember 2015 auf einem Flug von Zürich nach Teneriffa miteinander geflogen waren. Völlig ohne uns gegenseitig wahrzunehmen, brauchten wir einfach eine zweite Chance.

Heute, drei Jahre nach unserem Kennenlernen bin ich mit Lena bereits über zwei Jahre verheiratet. Die verrückte Geschichte unseres Kennenlernens haben wir in unseren Eheringen festgehalten. Dort findet sich die Gravur „1L&13C, AB2089, 12.03.2017“. Anfang Juli erwarten wir die Geburt unserer beiden Töchter.

Airberlin hat definitiv mein Leben verändert und ich möchte allen Danken, die seiner Zeit mit mir geflogen sind. Natürlich auch denjenigen, die dafür gesorgt haben, dass Lena damals aus dem Standby fliegen musste.

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8 Kommentare

  1. …soetwas ist wirklich aus dem Leben gegriffen. Und – wir schon angemerkt wurde – ein Film wert…! Irgendwie – wenn die liebe Zeit nicht wäre – eine Filmidee die ich umsetzen würde.
    Viele Grüsse JeKe

  2. Hi schön zu lesen gerade in so unruhigen und unsicheren Zeiten eine schön zu lesende Geschichte. Für euch alles Gute für di Zukunft.

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